Rote Erde (Terres Rouges) Die industrielle Vergangenheit verinnerlichen, um die Zukunft zu gestalten

Im Süden des Großherzogtums Luxemburg erstreckt sich das Land der Roten Erde, von den Luxemburgern Minett genannt. Die auch als RedRock bekannte Region verdankt ihren Namen dem kräftigen Rot des Erzes, das zur Zeit der Industrialisierung am Anfang der Eisen- und Stahlindustrie in Luxemburg stand.

Tatsächlich weist die Region ein großartiges  industrielles Erbe  auf, das von  der Dynamik der Vergangenheit, aber auch von der Innovationsfähigkeit  einer Region, die heute auf  Naturwissenschaften  und  Forschung  der Spitzenklasse ausgerichtet ist, zeugt. Der Industrie-, Natur- und Eisenbahnpark  Minett Park führt uns an Bord zweier historischer Züge ins 19. Jahrhundert. Das  Luxembourg Science Center  ist dem Lernen durch Experimentieren gewidmet. Zwei Reisen, die Liebhaber der Industriegeschichte und junge Besucher in Staunen versetzen werden.

Die Lebendigkeit des Lands der Roten Erde spiegelt sich auch in den angesagten  Städten  mit ihrem  vielfältigen Kulturangebot wider. Konzert- und Theatergänger finden ihr Glück in den zahlreichen Kulturzentren der Region. Außerdem wird das Jahr 2022 für die Region ein wichtiger Moment in diesem Bereich sein: Esch an der Alzette wird dann Kulturhauptstadt Europas sein.

 Natur-  und  Sportfans  können die Region auch bei  Wanderungen  und mit dem  Mountainbike erkunden. Erfahrene Mountainbiker haben Strecken mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden auf einer Gesamtlänge von 165 km entworfen. Die Sportler, die nach ihrer Anstrengung von roter Erde bedeckt sind, spüren die Region ganz intensiv. 

Eine Reise in die Vergangenheit durch ein außergewöhnliches Industrieerbe

Ein Besuch im  Minett Park Fond-de-Gras  ist wie eine Reise in die Industriegeschichte Luxemburgs, bei der man die Erzählungen der Männer entdecken kann, die unablässig in den Minen gearbeitet haben. Das  Fond-de-Gras  ist ein kleines Tal, dessen Hänge von zahlreichen Stollen durchzogen waren. Das heutzutage grüne und friedliche Tal war ein wichtiger Industriestandort und trug stark zum wirtschaftlichen Aufschwung  Luxemburgs ab dem 19. Jahrhundert  und bis in die 1960er Jahre bei.

 Liebhaber alter Züge sowie die  kleinsten  Familienmitglieder werden im Park Spaß haben: der  Zug 1900 mit seinen Dampflokomotiven verkehrt zwischen Petingen und Fond-de-Gras. Die Grubenbahn  Minièresbunn  bringt die Besucher durch alte Bergbaustollen bis ins ehemalige Bergarbeiterdorf Lasauvage. Im Museum wird nicht nur von der Geschichte des Dorfes erzählt, sondern auch von einer Gruppe junger Luxemburger, die sich in die Mine flüchteten, um im Zweiten Weltkrieg nicht die Uniform der Wehrmacht anlegen zu müssen.

Das  Bergbaumuseum Cockerill  in Ellergronn ist ein einzigartiger Ort  der Konservierung und Aufwertung eines außergewöhnlichen  Bergbauerbes . Es geht hier nicht nur um Bohrer und Maschinen, sondern vor allem um die Geschichte der Männer , die zum wirtschaftlichen Erfolg des Landes beitrugen. Die ehemalige Mine Katzenberg zerfällt, nachdem sie jahrzehntelang betrieben worden war, aber gerät nicht in Vergessenheit. Eine Gruppe leidenschaftlicher ehemaliger Bergarbeiter, die  zukünftigen Generationen ihre Erfahrungen vermitteln wollten, beschloss, sich um den Standort zu kümmern. Nach den Renovierungen ist das Museum im  Naturschutzgebiet Ellergronn  ein Ort, den man sich nicht entgehen lassen sollte!

Heute erinnern viele Relikte an die luxemburgische Industriegeschichte.
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Historisches Erbe und futuristische Visionen machen die "Métropole du Fer" (Eiserne Metrople) zu einer modernen Stadt, die offen ist für neue Herausforderungen.
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Kultur und Innovation im Kern der gesellschaftlichen Entwicklung

Die industrielle Vergangenheit von Esch/Alzette, Hauptstadt des Lands der Roten Erde, schafft auch eine  kulturelle Zukunft  für die Region. Tatsächlich sind  Kultur, Innovation und Sanierung des Kulturerbes  in der Region RedRock eng miteinander verbunden. Daraus ergeben sich ein äußerst  dynamisches Kulturleben und  moderne und alternative Räume, die zum  Mitmachen und  Entdecken einladen.

Die  Kulturfabrik  ist ein ehemaliger Schlachthof, der zu einem  transkulturellen Raum umgebaut wurde. Residenzkünstler entwickeln hier künstlerische Kreationen die nicht nur grenzüberschreitend , sondern auch offen für alle Formen der Kunst sind. Das Team der Kulturfabrik hat ein jährliches Programm  mit mehr als 200 Veranstaltungen u.a. im Bereich Kino, Literatur, Musik, Ausstellungen und Tanz zu bieten.

Die  Rockhal  ist  der Konzertsaal  des Landes, in dem jedes Jahr die größten Bands spielen.  Rock-, Metal-, Pop-, Rap- oder Elektro-Fans  sind hier zu Hause.

Mehrere  Gebäude auf der  Terrasse der Hochöfen in  Belval  werden saniert, um im Rahmen von  Esch2022, Europäische Kulturhauptstadt, Performances, Ausstellungen und Veranstaltungen zu beherbergen. In diesen neuen Räumen wird  Kultur neu gedacht, neu formuliert und als zentrales  Element in der Entwicklung der Gesellschaft angesehen.

Das  Escher Theater  ist der moderne Klassiker der Region. Seit seiner Einweihung 1962 bekräftigt es seine grenzüberschreitende und multikulturelle Berufung durch eine mehrsprachige Programmgestaltung. Seit 2018 stellen Stücke für ein  junges Publikum  eine seiner großen Leitlinien dar.

RedRock, Naturwissenschaften und Forschung im Mittelpunkt

Belval hat sich in den letzten Jahren in ein luxemburgisches  Zentrum des Wissens   verwandelt .

DieGeschichte  des Viertels  im Laufe der Zeit ist spannend und zweifelsohne spiegelt sie den dynamischen Charakter eines Landes, das stets auf der Suche nach Innovation ist, wider. Um  1850 Naherholungsgebiet, ließ sich in Belval zu Beginn des 20. Jahrhunderts die erste Eisenhütte nieder. Im Jahr  1913 produzierten über 3.000  Arbeiter  insgesamt 400.000  Tonnen Gusseisen, 360.000  Tonnen Stahl und 297.000  Walzerzeugnisse! Etwas Kurioses  für Geschichtsliebhaber: das Viertel wurde auch Zeuge des europäischen Integrationsprozesses. Tatsächlich nahm Jean Monnet, einer der Gründerväter der europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, am 30. April  1953 den symbolisch  ersten europäischen Hochofenabstich  in Belval vor.

In den  60er und 70er Jahren werden das Stahlwerk und die Hochöfen komplett umgebaut und modernisiert. In den 90er Jahren werden die Hochöfen langsame aber sicher stillgelegt. Heute befindet sich dort dieUniversität Luxemburg. Der junge Universitätscampus in Belval zieht besonders  die naturwissenschaftlichen Institute und Forschungszentren, zum Beispiel in den Bereichen Biomedizin und Informatik, an.

Während Belval für Spitzenforschung steht, steht  Differdingen  für  Pädagogik  und  Wissen für alle. Das  Luxembourg Science Center  empfängt Sie in einem Rahmen spielerischen und interaktiven Entdeckens. Ein Ort, der das  junge Publikum begeistert. Und wer weiß, vielleicht sind ja die großen Wissenschaftler von morgen darunter! 

Die Stadt Esch-sur-Alzette hat mehr als 35.000 Einwohner, die sich aus mehr als 120 verschiedenen Nationalitäten zusammensetzen. Esch ist die zweitgrößte Stadt des Großherzogtums.
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Die Rockhal ist der bedeutendste Konzertsaal des Landes, in dem jedes Jahr die führenden Musikgruppen des Landes auftreten.
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Natur, Sport und Tiere

Im Land der Roten Erde kann man auch die Natur genießen und dabei Sport treiben. Leidenschaftliche  Mountainbiker  finden hier entlang des  RedRock MTB Trail eine ordentliche Dosis Adrenalin . Die Strecken sind als schwierig eingestuft und die Pisten sind herausfordernd und abwechslungsreich. Besucher, die sich  entspannen , aber in Form bleiben wollen, können einen der zahlreichen  Wanderwege einschlagen. Für jeden Geschmack und jedes Publikum!

Der  Parc Merveilleux  in Bettemburg  begeistert die Kleinsten. Seine Zooschule bietet  pädagogische  Workshops und Führungen an, bei denen Kinder die Tiere des Parks kennenlernen können: 200 Arten aus fünf Kontinenten! Und warum werden Sie nicht Pate Ihres Lieblingstieres und helfen so, seine Pflege im Park zu unterstützen?

Einwanderung: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Luxemburgs

Die Einwanderung  spielte eine wichtige Rolle beim wirtschaftlichen Aufschwung Luxemburgs im 19. Jahrhundert. Tatsächlich verfügt das Großherzogtum heute über ein materielles Industrieerbe, das auf der Arbeit von Einwanderern, insbesondere aus  Italien, errichtet wurde.  Geschichtsliebhaber  können das  Dokumentationszentrum für menschliche Migrationen in Düdelingen besuchen und sich über die Geschichte von  "Klein-Italien" informieren. Dieses Zentrum stellt einen einzigartigen Erinnerungsort dar und lässt Besucher die  luxemburgische Gesellschaft  in all ihrer  Diversitätverstehen.

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