5 wichtige Daten der Luxemburger Geschichte, die man kennen sollte Diese 5 Daten der Luxemburger Geschichte sollten Sie unbedingt kennen (und die meisten Luxemburger kennen sie auch).

963

Jedes Schulkind in Luxemburg lernt etwas über die Gründung von Luxemburg-Stadt im Jahr 963. Diese Jahresangabe findet sich auf einer Urkunde, die Graf Siegfried mit der Abtei Sankt Maximin in Trier zwecks Erwerbs eines Felsvorsprungs mit Blick auf einen Fluss unterzeichnete. "Seine Absicht bestand weniger in der Gründung einer Siedlung, die ganz von allein um die erste kleine Burg herum entstand, sondern vielmehr in der Bestärkung der Bestrebungen von Kaiser Otto, Lothringen in das Heilige Römische Reich einzugliedern," erklärt Gilles Genot vom Lëtzebuerg City Museum. Die Lage des Felsvorsprungs war in der Tat strategisch ausgezeichnet: er konnte verteidigt werden, lag in der Nähe eines Gewässers, mit dem ein Antrieb von Mühlen möglich war, sowie an einer wichtigen Handelsstraße, die Trier und Reims verband. Alle diese Aspekte machten Luxemburg zu einem beliebten Ort, um sich niederzulassen. Der Urkunde selbst wurde während des späten 19. und des frühen 20. Jahrhunderts viel Bedeutung beigemessen, und das Jahr wurde nunmehr als offizielles Gründungsjahr von Luxemburg-Stadt betrachtet. "Dieses Jahr ist sehr bedeutend für das kollektive Gedächtnis Luxemburgs," ergänzt Gilles Genot. Und die damit verbundene Sage von der Nixe Melusina und dem auf der Stadt liegenden Fluch trugen sicherlich dazu bei, das Datum zu popularisieren.

Wenig bekannt ist, dass die Urkunde eigentlich aus dem Jahr 987 stammt, dem Jahr, in dem der Tausch formalisiert wurde. Dieses Exemplar ist eine Leihgabe der Stadt Trier, da Siegfrieds Exemplar verschollen ist.
© Lëtzebuerg City Museum/Christof Weber

1839: Unabhängigkeit um Unruhen zu beenden

"Das entscheidende Element für die Unabhängigkeit Luxemburgs im Jahr 1839 waren die Landesgrenzen," sagt Simone Feis, Kuratorin im M3E/MNHA. Obwohl das Land nahezu die Hälfte seines Gebiets an das neu gegründete Belgien verlor (heute die belgische Province du Luxembourg), wurden im Rahmen des Londoner Vertrags von 1839 die Landesgrenzen in dem heute bekannten Verlauf festgelegt, der durch eine Reihe von Grenzmarkierungen gekennzeichnet wurde (siehe Abbildung). Der Vertrag setzte einem von Unruhen geprägten Jahrzehnt ein Ende, in dessen Verlauf die Bevölkerung zwischen ihrer Loyalität zum König der Niederlande, der das Großherzogtum offiziell regierte, der preußischen Besatzung von Luxemburg-Stadt und den starken Sympathien eines Großteils der Landesbevölkerung für die demokratischen Grundsätze, für die die Belgier gekämpft hatten, hin- und hergerissen war. Obwohl Luxemburg weiterhin vom König der Niederlande regiert wurde und von der vollständigen Unabhängigkeit weit entfernt war, kennzeichnet das Jahr 1839 einen Wendepunkt in unserer Geschichte. Der Vertrag und die Gründungsurkunde von 1841 verliehen dem Land politische Stabilität, die uns erlaubte, den Aufbau eines Staates und einer Nation fortzuführen, durch die wir uns von unseren Nachbarn differenzieren.

Einer der Grenzsteine, die heute noch an der luxemburgisch-belgischen Grenze zu finden sind.
© MNHA

1867: "Ewige" Neutralität und europäisches Engagement

1867 waren Preußen und Frankreich unter Napoleon III. bereit, um Luxemburg, oder vielmehr seine mächtigen Befestigungsanlagen, zu kämpfen. Eine in letzter Minute abgehaltene Konferenz in London verhinderte, was durchaus zu einem groß angelegten kontinentalen Konflikt hätte führen können. Die Luxemburgkrise von 1867 und der anschließende Londoner Vertrag brachten die berühmten Befestigungsanlagen von Luxemburg-Stadt zu Fall - und verliehen dem Land den Neutralitätsstatus. "Luxemburg-Stadt war schlussendlich in der Lage, zu wachsen und sich selbst als europäische Hauptstadt neu zu erfinden", so Ralph Lange, wissenschaftlicher Assistent im M3E/MNHA. Das Land behielt seine strategische Lage in der Mitte von Westeuropa, allerdings nicht auf militärische Macht beruhend: ein wirtschaftlicher und friedlicher Dialog mit den Nachbarn stand nun auf der Tagesordnung, und in den nachfolgenden Jahrzehnten entwickelten sich mächtige Industrieanlagen, von denen sich einige bis heute halten. "Die Folgen dieser Krise sind vielleicht heute spürbarer als im Jahr 1867", sagt Ralph Lange. Sie dürften wohl die Anfänge des luxemburgischen Engagements für ein friedvolles Zusammenleben in Europa markieren.

Die Schleifung der Festung nach 1867 erföffnete für die Stadt und das Land neue Möglichkeiten der Entwicklung.
© MNHA

10. Mai 1940: der Anfang von vier entbehrungsreichen Jahren

Der Beginn des Zweiten Weltkriegs in Westeuropa am 10. Mai 1940 ist in vielen europäischen Ländern ein bedeutendes Datum. Für Luxemburg hat es allerdings eine spezielle Bedeutung, und zwar eine Bedeutung, die Spuren dahingehend hinterlassen hat, wie die Luxemburger sich selbst wahrnehmen. Luxemburg war 1940 ein neutrales Land mit nur einer kleinen Armee, die zahlenmäßig einem deutschen Angriff keinesfalls Widerstand hätte leisten können. Dennoch ergriff das Land kurz vor dem Krieg Verteidigungsmaßnahmen, die keinen Zweifel daran ließen, dass die Luxemburger nicht einfach nur zusehen würden, und die der Welt unseren Willen zeigten, ein unabhängiges Land zu bleiben – so Benoît Niederkorn, Kurator des Nationalen Museums für Militärgeschichte. Die Sperren, die Sie auf diesen Bildern sehen können, waren Teil der sogenannten "Schusterlinie", Straßensperren, die an allen luxemburgischen Grenzen errichtet wurden, die aber am Vorabend der Invasion nur zu den deutschen Grenzen hin geschlossen wurden.

Eine Sperre der Schuster-Linie nach ihrer Einnahme durch deutsche Truppen 1940. Die Sperren waren nach dem damaligen Staatssekretär für Brücken und Strassenbauten Joseph Schuster benannt worden.
Sammlung Benoît Niedercorn

14. Juni 1985: Öffnung der europäischen Grenzen in Schengen

"Offene Grenzen zeugen von Aufgeschlossenheit", so lautet Martina Kneips Definition des Geistes von Schengen, der in diesem kleinen luxemburgischen Ort an der Mosel allgegenwärtig ist. Die deutschen und französischen Grenzen sind so nah und dennoch kaum wahrnehmbar, ein abstraktes Konzept in einer Region, in der Menschen tagtäglich offene Grenzen leben. Und wenn Martina Kneip über die Region spricht, dann definiert sie sie ganz ohne Zweifel unabhängig von nationalen Grenzen. "Das Schengener Abkommen steht sinnbildlich für unser Land", erklärt die Leiterin des Europäischen Museums. "Dadurch wurde Luxemburg als Land bekannt, in dem die Grundsätze der EU gelebt werden, wie sie sollten." Die Abkommen, die am 14. Juni 1985 von Luxemburg, Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden auf dem Passagierschiff MS Princesse Marie-Astrid unterzeichnet wurden, sind heute die Eckpfeiler des freien Verkehrs zwischen den Mitgliedstaaten und stehen für eine Aufgeschlossenheit, die in Luxemburg tagtäglich gelebt wird.

Le délégué luxembourgeois, le secrétaire d'État Robert Goebbels, en train de signer les accords à bord de la MS Marie Astrid.
© Europazentrum Schengen

Tauchen Sie weiter in die Geschichte Luxemburgs ein

Die Geschichte Luxemburgs ist voll von bedeutenden Ereignissen, die das Land und seine Bevölkerung prägten - hier einige wichtige Ereignisse, die es zwar nicht in die engere Auswahl geschafft haben, aber dennoch wissenswert sind.

1919

1919 ist zweifelsfrei eines der turbulentesten Jahre für Luxemburg. Politische und soziale Konflikte, die seit einigen Jahren brodelten, kochten nach dem Ende der deutschen Besatzung im Jahr 1918 über. Während der Konflikt zwischen der Krone und der Regierung die Unabhängigkeit Luxemburgs potenziell hätte gefährden können, stabilisierten das Referendum von 1919 und die Änderungen des Wahlsystems, insbesondere das allgemeine Wahlrecht, nicht nur die Monarchie sondern auch die luxemburgischen Institutionen. Régis Moes, einer der Kuratoren des MNHA, betont, dass alle zeitgenössischen Institutionen, einschließlich politische Parteien und Gewerkschaften, während dieser Jahre gegründet wurden.

1921 

Das "luxemburgische Modell" der sozialen Absprache ist weiterhin ein wichtiger Faktor für die politische und soziale Stabilität des Landes. Die Prämisse dieses Modells besteht darin, dass Arbeitgeber, Gewerkschaften und die Regierung Lösungen anstreben und in Verhandlungen Kompromisse erzielen, anstatt Arbeitskämpfe auf sich zu nehmen. Die Ursprünge dieses Modells gehen auf die gewaltsamen Streiks der Grubenarbeiter im Süden des Landes im Jahr 1921 zurück, welche die Regierung nur mit Unterstützung der französischen Armee niederschlagen konnte.