Natürlich Unesco Ein Rundgang durch das luxemburgische UNESCO-Naturerbe

In unserer Vorstellung assoziieren wir das Unesco-Erbe häufig mit Schlössern, Befestigungsmauern und historischen Städten, durch die wir staunend schlendern. Der Schutz und die Aufwertung, die durch das Unesco-Label gewährleistet werden, gehen allerdings deutlich darüber hinaus. Die Programme "Der Mensch und die Biosphäre" und "Unesco Global Geoparks" legen den Schwerpunkt auf die natürlichen Ressourcen und die Beziehung der Menschen zu ihrer Umwelt.

Hier eine Einladung zum Besuch der Minett Unesco Biosphere, die im Oktober 2020 in das Netzwerk der Biosphärenreservate aufgenommen wurde, und des Natur- & Geoparks Mëllerdall, der sich jüngst für die Auszeichnung als Unesco Global Geopark beworben hat.

Minett Unesco Biosphere – Biosphärenreservat

Die Minett-Region, auch Land der Roten Erde genannt, liegt im Süden Luxemburgs. Es handelt sich um eine dicht besiedelte Region, die auf eine lange Vergangenheit im Erzbergbau und in der Stahlindustrie zurückblickt. Die Region mit den landesweit größten Naturschutzgebieten wusste ihre Wirtschaft zu diversifizieren, bestimmte Teile ihres industriellen Kulturerbes umzugestalten und ihre natürliche Umwelt zu schützen.

Im Oktober 2020 wurde die Minett Unesco Biosphere offiziell in das weltweite Netzwerk der Biosphärenreservate des Unesco-Programms "Der Mensch und die Biosphäre" aufgenommen. Um international als Biosphärenreservat anerkannt zu werden, muss das Gebiet Besonderheiten in Bezug auf menschliche Aktivitäten in der Natur aufweisen. Das ist in dieser Region, die ab Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1990er Jahre stark durch die Industrietätigkeit geprägt wurde, genau der Fall: die Förderung und Aufbereitung von Eisenerz, die Stahlindustriebrachen und die Bergwerke haben ihre Spuren in der Landschaft hinterlassen. Die Rolle der Einwanderung, insbesondere derjenigen von Italienern, war für den Aufschwung der Region ebenfalls maßgeblich.

Dieses Naturgebiet ist nunmehr ein Ort des Lernens für die nachhaltige Entwicklung, reich an wiedergewonnener Biodiversität und erhaltenswerter Geschichte, der von einer großen urbanen Erneuerung profitiert. Mit einer Fläche von 200km2, auf der fast ein Drittel der Bevölkerung Luxemburgs und 150 Nationalitäten zuhause sind, verfügt die Region über Naturschutzgebiete und über 600 Hektar Industriebrachen, die erneuert werden. Ein wahres Geschenk für Naturliebhaber und Fans der Industriegeschichte.

"Das Programm "Der Mensch und die Biosphäre" bedenkt die Folgen der heutigen Maßnahmen für die Welt von morgen und befähigt die Menschen, die natürlichen Ressourcen zum Wohle aller Bevölkerungsgruppen und der Umwelt effizient zu verwalten". Unesco.

Wie kann diese außergewöhnliche Biosphäre erkundet werden?

Zum einen können Sie an den zahlreichen Aktivitäten teilnehmen, die im Veranstaltungskalender angeboten werden: Besuch der Mühle von Lamadeleine mit einem ehemaligen Müller oder Erkundung der Geschichte der Grubenlampen im Nationalen Bergbaumuseum (Musée national des mines de fer) und vieles mehr. Unterhaltung wird für ein breites Publikum geboten!

Sie können die Region auch erwandern, und zwar quer durch die 11 Teilnehmergemeinden des Biosphärenreservats, namentlich Bettemburg, Differdingen, Düdelingen, Esch-sur-Alzette, Käerjeng, Kayl, Monnerich, Petingen, Rümelingen, Sassenheim und Schifflingen. Die Landschaft zeichnet sich durch die "cuestas", eine freie unsymmetrische Reliefform, aus und weist zahlreiche Ökosysteme wie beispielsweise Obstgärten, Kalkrasen, Schlucht- und Auenwälder, Feuchtwiesen mit einer äußerst diversifizierten Fauna und Flora auf. Häufig sind die Wanderwege eng mit der Bergbaugeschichte der Region verbunden, wie beispielsweise die Wanderung 23 Rümelingen-Kayl, deren Streckenverlauf Sie am Nationalen Bergarbeiterdenkmal und am Nationalen Bergbaumuseum vorbeiführt.

Jenseits der 200km2 des UNESCO-Biosphärenreservats erwartet Sie eine ganze Region! Machen Sie sich mit unserer Auswahl an touristischen und kulturellen Aktivitäten auf, um die Region im Süden zu erkunden.

Das Nationalen Bergbaumuseum, ein Lernort.
© Musée national des mines de fer luxembourgeoises, alle Rechte vorbehalten
Auf 200 km2 ist die Biosphäre ein Raum mit einer wiederentdeckten Artenvielfalt.
© SIP / Marcel Schmitz, alle Rechte vorbehalten

Natur- & Geopark Mëllerdall – Nachwuchs für die Unesco Global Geoparks

Wussten Sie, dass es vor über 200 Millionen Jahren ein Meer in der Region des Natur- & Geoparks Mëllerdall gab? Die Sandsteine, die damals den Meeresgrund bildeten, weisen heute noch zahlreichen Spuren auf, die einen einmaligen Überblick über die Geschichte der Region vermitteln! Heutzutage spielt die Orografie des Parks eine Schlüsselrolle für die Trinkwasserversorgung, das Vorkommen bestimmter Tier- und Pflanzenarten und die Bodennutzung.

Mit dieser bemerkenswerten geologischen Geschichte reichte der Park seine Kandidatur für das Programm der Unesco Global Geoparks ein, um dem internationalen Publikum den Wert des Erbes der Region vor Augen zu führen. Durch die Aufbewahrung von Unterlagen über den Klimawandel sind die Unesco Global Geoparks echte Lehrkräfte und ermöglichen die Einführung bewährter Umweltschutzpraktiken, wobei sie den "Sanften Tourismus" fördern.

Die Kandidatur wurde am 23. November 2020 eingereicht, Unesco-Sachverständige werden die Region im Frühjahr/Sommer 2021 besuchen und bewerten, und die finale Entscheidung erfolgt dann im Frühjahr 2022.

Wie kann der Naturpark erkundet werden?

Eine Wanderung ist ideal, um den Park kennenzulernen. Die Route 2 des Mullerthal Trail lässt Sie eines der beeindruckendsten Geotope des Parks entdecken: die bis zu 40m tiefe Wolfsschlucht beispielsweise. Oft führen die Wanderwege durch Ortschaften, in denen regionale Spezialitäten angeboten werden: dies gilt beispielsweise für den Berdorfer Käse, der die Beziehung zwischen den Bewohnern der Region und ihrer Umwelt widerspiegelt.

Kleine Anekdote: wussten Sie, dass die ältesten Luxemburger in dieser Region aufgefunden wurden? Unter einem Felsschutz in Loschbour (Gemeinde Heffingen) entdeckte der Lehrer Nicolas Thill in den 1930er Jahren menschliche Knochen aus dem Mesolithikum. Dabei handelte es sich um das Skelett von Loschi, das nunmehr im Nationalmuseum für Naturgeschichte ausgestellt ist. Sie können im ersten Stockwerk mittels einer 3D Tour sogar einen Einblick erhalten!

Der Park bietet auch zahlreiche Events an, in deren Rahmen Entdecken und Lernen miteinander einhergehen: Naturrallyes für Kinder, Trinkwasserwanderung, Vogelwanderungen, Kräuterworkshops, Aktivitäten mit Bienen ...

Eines der Merkmale des Parks ist die große Anzahl an Obstbäumen: Äpfel, Pflaumen, Birnen, Mirabellen und Kirschen. Die enge Verbindung zwischen Mensch und Umwelt ist in diesem Gebiet greifbar und lädt zur Verkostung regionaler Produkte ein!