Top 5: Ungewöhnliche Museen, die es unbedingt zu entdecken gilt.

Das Fligermusée erzählt die Geschichte der nationalen Luftfahrt.
© Fligermusée

Luxemburg verfügt über ein umfangreiches Netzwerk von Museen und musealen Einrichtungen, das von einem bemerkenswerten kulturellen Reichtum zeugt und bildende Kunst, Geschichte, Wissenschaft und Entdeckungen miteinander verbindet. Neben den bekannteren Museen verbergen sich hier auch einige weniger bekannte regelrechte Schätze: ungewöhnliche Orte, die über das gesamte Großherzogtum verstreut sind. Wir haben uns in jeder Region einen davon ausgesucht.

Luftfahrtmuseum

Eines müssen wir vorausschicken. Das luxemburgische Luftfahrtmuseum ist kein großer Hangar, in dem eine umfangreiche Sammlung von Militär- und Zivilflugzeugen untergebracht ist. Es handelt sich vielmehr um einen diskreten Ort, der dafür aber einen umfassenden Überblick über die nationale Luftfahrtgeschichte bietet.

Dieses kleine Museum, das 2012 im Pavillon der ehemaligen Kind-Quelle im Park des Thermalbads von Bad Mondorf (Pdf) eröffnet wurde, erzählt auf zwei Etagen die Geschichte der Luxemburger Luftfahrt seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Ausstellungsort ist gleichzeitig eine Hommage an den Kurort, da der allererste Flug im luxemburgischen Luftraum 1910 in Mondorf stattfand.

Anhand von alten Fotos, Pilotenuniformen und Bordinstrumenten kann man hier alle Facetten der Luftfahrt entdecken, von der Zeit der Pioniere über die Anfänge der Ballonfahrt bis hin zur kommerziellen Luftfahrt.

Das eigentliche Juwel des Museums, der Eindecker Klemm aus dem Jahr 1934 zieht mit seinen leuchtend roten Flügeln sofort alle Aufmerksamkeit auf sich.

Das von Luftfahrtbegeisterten geführte Museum wächst stetig weiter. Führungen werden auf Anfrage organisiert.

Öffnungszeiten:

  • Montag & Dienstag geschlossen
  • Mittwoch bis Sonntag: 14:00 - 18:00 Uhr

Muerbelsmillen

Um die Geschichte der Muerbelsmillen zu erkunden, muss man bis ins 11. Jahrhundert zurückgehen. Damals nutzte die ins Petrusstal eingebettete alte Wassermühle die Kräfte der Natur, um das Getreide der Einwohner aus der Umgebung zu mahlen. Bis ins Jahr 1985 diente das alte Gebäude noch als Senffabrik.

Auch wenn die Mühlsteine heute stillstehen, schlägt das Herz der Muerbelsmillen weiter. Das große Wasserrad, das die Mühle antrieb, ist das markanteste Zeugnis dieses Ortes. Informationen über seine Geschichte findet man auf verschiedenen Tafeln, daneben illustriert eine große, mit Redewendungen in mehreren Sprachen bedeckte Wand die Identität des Ortes: "Wir geben unseren Senf dazu", "Dir sidd awer schéi gemoschtert", "On va s'amuser à la moutarde" oder auch noch "We bring mustard after meat".

Heute erzählt die al Moschterfabrick (ehemalige Senffabrik) die Geschichte der traditionellen Senfherstellung im Rahmen von geführten Besichtigungen. Im Obergeschoss kann der Besucher die alten Mühlenausrüstungen, die Zahnräder und die historischen Mahlsteine, die zum Mahlen verwendet wurden, besichtigen. Parallel dazu zeigt ein historischer Film die Mechanik in Betrieb und zeichnet die verschiedenen Arbeitsschritte nach.

Während die Projektionen zum Verstehen einladen, bieten Workshops die Möglichkeit, selbst Hand anzulegen. Und das Schönste daran ist, dass der Besucher sogar sein eigenes Glas Senf herstellen kann, ganz wie man es vor Jahrzehnten tat. 

Öffnungszeiten:

  • Samstag: 14.00 - 18.00 Uhr
  • Sonntag: 14.00 - 18.00 Uhr
Mehr als 33 historische Kutschen sind im Museum ausgestellt.
© Musée rural
Heute erzählt die Muerbelsmillen die Geschichte der traditionellen Senfherstellung
© Anne Lommel

Kutschenmuseum

Willkommen in der Welt der Kutschen. In Peppingen beherbergt das Museum, das diesen Fuhrwerken aus früheren Zeiten gewidmet ist, mit mehr als 33 historischen Pferdekutschen aus dem 19. Jahrhundert eine der bedeutendsten und bemerkenswertesten Sammlungen ihrer Art. Sieben davon gehörten dem großherzoglichen Hof.

Ausgestellt sind sie in einem ehemaligen Bauernhof, wo man zudem eine vollständig rekonstruierte Kutschenwerkstatt sowie einen Rundgang entdeckt, der die Geschichte und Entwicklung der Gespanne nachzeichnet. Daneben versetzt eine umfangreiche Auswahl an Zubehör - Pferdegeschirr, Laternen, Koffer und Reiseutensilien sowie ein echter Louis-Vuitton-Koffer aus dem Jahr 1910 - die Besucher in eine Zeit zurück, in der die Kutsche das wichtigste Transportmittel der wohlhabenden Bevölkerung war.

Das Prunkstück der Sammlung ist das Grand Coupé de Gala, das 1919 im Festzug bei der Hochzeit von Großherzogin Charlotte und Prinz Felix zum Einsatz kam und heute noch dem Hof gehört. Im Museum ausgestellt ist des Weiteren, unter anderem, die letzte Postkutsche, die bis Anfang der 1930er Jahre im Norden des Landes verkehrte.

Öffnungszeiten:

  • Geöffnet vom 1. März bis 31. Oktober nur sonntags von 14:00 bis 18:00 Uhr
  • Von November bis Februar geschlossen

Textilmuseum

Kaum hat man die Tür zum Museum geöffnet, glaubt man, sie noch zu hören, die laufenden Maschinen und die unaufhörlich arbeitenden Spulen. Früher war die Weberei fester Bestandteil des Alltags in Larochette. Ihre Geschichte reicht mehr als 640 Jahre zurück und hat ihre Wurzeln im Mittelalter. Damals wurde ausschließlich Wolle aus der Region, sowie aus dem Éislek und der Eifel verarbeitet. Im Laufe der Zeit entwickelte sich das handwerkliche Können stetig weiter und mit Beginn der Industrialisierung ließen sich zahlreiche Weber in Larochette nieder.

Zwei Jahrhunderte lang liefen die Spinnereien Sinner-Even und Nicolas Ludovicy-Scharlé, die Färberei Bonne-Sichel oder auch Vestimenta S.A., neben vielen anderen, auf Hochtouren, bis die letzte Fabrik im Jahr 1985 ihre Türen schloss.

Heute lebt ihre Geschichte im Textilmuseum weiter. Im Nebengebäude des ehemaligen Jhangli-Bahnhofs versetzen Garnspulen und Webstühle die Besucher in diese florierende Epoche zurück. Über diese Zeitreise hinaus erklärt das Museum auch die traditionellen Techniken und Anlagen, die bei der Produktion zum Einsatz kamen. 

Dies ist aber nur ein Teil des Museums in Larochette, der andere Teil der Ausstellung beleuchtet einen aktuelleren Aspekt der heutigen Mode, nämlich die Folgen der Fast Fashion. Die Ausstellung wurde von der NGO Fairtrade Lëtzebuerg im Rahmen der Sensibilisierungskampagne Rethink Your Clothes realisiert und fordert Besucher auf, ihre Konsumgewohnheiten zu überdenken und sich für eine nachhaltige Mode einzusetzen.

Öffnungszeiten:

  • Montag – Dienstag: 10:00 – 12:30 Uhr / 13:30 – 16:30 Uhr (nur für Gruppen geöffnet (nach Vereinbarung))
  • Mittwoch – Freitag: 12:00 - 21:00 Uhr
  • Samstag – Sonntag: 10:00 bis 16:00 Uhr
Die ehemalige Automobilfabrik Jean Wagner in Diekirch beleuchtet die Geschichte des Automobils
© Conservatoire national de véhicules historiques (CNVH) - Source: luxembourg2007.org
Das Conservatoire National de Véhicules Historiques ist ein wahrer Augenschmaus für Liebhaber schöner Mechanik.
© Conservatoire national de véhicules historiques (CNVH) - Source: luxembourg2007.org

Automobilmuseum

Für Liebhaber schöner Maschinen kann man sich keinen besseren Ort vorstellen, als das Conservatoire National de Véhicules Historiques in Diekirch, wo es viele legendäre Fahrzeuge der Automobilgeschichte zu entdecken gibt.

Die ehemalige Wagenfabrik Jean Wagner beleuchtet die Geschichte des Automobils sowie des motorisierten Verkehrs im Allgemeinen. 1871 wurde das Gebäude als Kutschenfabrik genutzt. Das war der Startpunkt, der in gewisser Hinsicht bereits auf seine Bestimmung als Automobilmuseum hindeutete. Ab 1908 wurden hier Fahrzeuge der Marke Benz verkauft, 1912 wurde der Standort zur ersten Auslandsvertretung von Mercedes-Benz. Ein Teil der Ausstellung ist dieser Entwicklung gewidmet.

In der Sammlung finden Besucher u. a. einen Bereich, der dem luxemburgischen Rennfahrer Nicolas Koob gewidmet ist und der seine Karriere anhand von persönlichen Gegenständen, Trophäen, historischen Dokumenten und sportlichen Erinnerungsstücken nachzeichnet.

Ein Highlight der Ausstellung ist zweifelsohne die Präsentation Gleichheit auf Rädern, die den Frauen und ihrem Beitrag zur Automobilwelt in Luxemburg gewidmet ist. Sie erzählt von den Lebenswegen, der Leidenschaft, der Innovationskraft und dem Engagement der Frauen in der Automobilwelt. Zu den ausgestellten Objekten gehört unter anderem der Rennanzug der luxemburgischen Rennfahrerin Jenny van Hilten. 

Neben den Fahrzeugen oder einer Werkstatt, in der die Entwicklung der Berufe in der Automobilbranche veranschaulicht wird, finden Automobilbegeisterte ebenfalls historische Motorräder, darunter ein Exemplar der luxemburgischen Marke STEWA (Steffen Walferdingen) oder eine originale Wagner-Kutsche. 

Neben den Dauerausstellungen präsentiert das Conservatoire National de Véhicules Historiques jedes Jahr Wechselausstellungen, in denen neue Themen entdeckt werden können. Jede dieser Ausstellungen ist einem Land, einer Marke, einer Persönlichkeit oder einem historischen bzw. gesellschaftlichen Thema gewidmet.

Öffnungszeiten:

  • Dienstag bis Sonntag: 10:00 – 18:00 Uhr (letzter Einlass: 17:45 Uhr)

Zum letzten Mal aktualisiert am