Die Stadt entdecken mit einer begeisterten Stadtführerin
Im Rahmen der Kampagne "Lëtzebuerg, dat ass Vakanz!", entdecken Besucher nicht nur den Reichtum der einzelnen Regionen des Großherzogtums, die Initiative zielt auch darauf ab, diejenigen ins Rampenlicht zu rücken, die sich tagtäglich dafür einsetzen, Einwohnern und Besuchern das bestmögliche Erlebnis zu bieten. Es geht darum, ihre Arbeit, ihr Know-how und ihr tägliches Engagement hervorzuheben, ganz gleich, ob es sich um Fachleute, Freiwillige oder Studierende handelt.
Marie-Jeanne ist eine dieser Personen, die jeden Tag dazu beitragen, Luxemburg von seiner besten Seite zu zeigen. Als leidenschaftliche Botschafterin des Luxembourg City Tourist Office (LCTO) enthüllt sie mit Begeisterung bei der City Promenade die Geschichte und die Geheimnisse der Stadt Luxemburg. Mit Anekdoten, kuriosen Fakten und spektakulären Ausblicken bringt die erfahrene Stadtführerin den Besuchern die Vielfalt der Hauptstadt näher. Wir haben sie durch die Straßen von Luxemburg-Stadt begleitet.
Punkt 14 Uhr warten auf dem Knuedler sechs deutsche Touristen aus Bayern und Hessen auf den Start der City Promenade. Ihre Stadtführerin Marie‑Jeanne begrüßt sie mit einem Lächeln. Ehrlich gesagt hätten sie es nicht besser treffen können, denn Marie-Jeanne kennt die Straßen der Hauptstadt in- und auswendig.
Seit 2014 ist die ehemalige Leiterin einer Immobilienagentur als Freelance-Stadtführerin beim LCTO tätig. In rund zwölf Jahren hat sie fast 500 Gruppen durch die Straßen der Stadt begleitet. Ein Engagement, das sie immer noch mit der gleichen Begeisterung wie am ersten Tag ausübt. "Ich bin jeden Morgen immer wieder aufs Neue begeistert", gesteht sie.
Heute nimmt sie ihre Besucher mit auf eine regelrechte Zeitreise. Mit wenig bekannten Anekdoten, kuriosen Fakten und historischen Einblicken legt sie den ganzen Reichtum des luxemburgischen Kulturerbes für sie offen.
Eine Reise durch die Geschichte im Herzen der Hauptstadt
Die Führung beginnt auf dem Knuedler, dem Platz vor dem Reiterdenkmal von Wilhelm II., und führt dann weiter zum Großherzoglichen Palast und den wichtigsten Sehenswürdigkeiten des historischen Zentrums. Die von Freitag bis Sonntag angebotene City Promenade zählt zu den beliebtesten Führungen des LCTO. Das Fremdenverkehrsamt verfügt heute über rund 150 Stadtführer und -führerinnen, die unterschiedliche Führungen anbieten, von der City Promenade über den Vauban-Rundgang bis hin zum Europaviertel auf dem Kirchberg oder auch noch den Busrundfahrten.
Dass Marie-Jeanne so in ihrer Rolle als Stadtführerin aufgeht, ist vor allem auf ihre Freude am Kontakt mit anderen Menschen und ihre Begeisterung für Geschichte zurückzuführen. Sie schätzt die Begegnungen mit Menschen aus aller Welt und die Möglichkeit, die Geschichte durch ihre Erläuterungen lebendig werden zu lassen. Schnell wird klar, dass sie sich nicht damit begnügt, Daten oder historische Fakten aufzuzählen. In ihre Erzählungen über die Stadt fließt viel Leidenschaft ein.
Und an Anekdoten mangelt es nicht. Vor dem großherzoglichen Palast hat sie schon einmal beobachtet, wie der Großherzog stehen blieb, um eine Schulklasse zu begrüßen. Ein anderes Mal ließ er einfach nur das Fenster seines Wagens herunter, um ihrer Gruppe zuzuwinken. Sie erinnert sich auch an eine Begegnung mit dem damaligen Staatsminister und mehreren anderen Ministern, die spontan stehen blieben und mit den Kindern für ein Foto posierten. "Solche Szenen überraschen die Besucher immer wieder, denn sie sind eine solche Nähe zu Politikern nicht gewohnt", erklärt sie.
Die Corniche, ein Ort, der alle Besucher in Staunen versetzt
Aber über die historischen Monumente und Anekdoten hinaus liegt Marie-Jeanne eine Sache besonders am Herzen: Die Besucher sollen zufrieden mit dem Erlebten und vor allem mit dem Wunsch, zurückzukommen, abreisen. An diejenigen, die Luxemburg-Stadt noch nie besucht haben, richtet sie eine direkte Einladung: "Kommen Sie, und sehen Sie selbst." Und wenn man nur einen Tag Zeit hat, empfiehlt sie ohne zu zögern die City Promenade, um das historische Zentrum der Hauptstadt zu entdecken.
Dabei darf jedoch ein Zwischenstopp auf der Corniche, ihrem Lieblingsort, auf keinen Fall fehlen. Ihrer Meinung nach kann man nicht behaupten, Luxemburg gesehen zu haben, wenn man nicht auf der Anhöhe des Alzette-Tals, die als "schönster Balkon Europas" bezeichnet wird, flaniert hat. Der Ausblick auf den Grund und die historischen Festungsanlagen ist von hier aus einmalig. Was sie dennoch stört, ist, dass viele Besucher Luxemburg auf die Banken und das Finanzviertel reduzieren. "Sobald sie jedoch diese Aussicht entdecken, ändern sie ihre Meinung komplett. Das ist meistens der Moment, in dem sie überrascht entdecken, wie schön unsere Stadt ist", erklärt sie.
Besucher sind schnell vom Charme Luxemburgs eingenommen
Im Laufe der Jahre hat Marie-Jeanne auch viele unerwartete Fragen gehört. Die überraschendste war wohl diese: "Ist Luxemburg wirklich ein Land? Wir dachten, es sei nur eine Stadt irgendwo in Europa." Sie lächelt darüber, dennoch ist diese Frage ihrer Meinung nach ein gutes Beispiel dafür, wie wenig manche Menschen über Luxemburg wissen.
Dies trifft jedoch nicht auf Detlev (67 Jahre) zu. Der Deutsche aus Düsseldorf ist heute Teil der Gruppe. Auch wenn er das Großherzogtum zum ersten Mal besucht, erklärt er, den ganzen Reichtum des Landes sehr zu schätzen. Sichtlich fasziniert vom Kulturerbe betont er, dass Luxemburg sich nicht auf eine einzige markante Sehenswürdigkeit reduzieren lässt. "An jeder Straßenecke gibt es etwas Interessantes zu entdecken", fügt er hinzu. Margit (60 Jahre) aus Bayern stimmt ihm zu. Was sie am meisten beeindruckt, sind die Reliefs, die das Landschaftsbild Luxemburgs prägen. "Die Höhenunterschiede sind beeindruckend", betont sie.
Geschichte und Moderne
Nach mehr als zwei Stunden Spaziergang durch die Straßen der Hauptstadt neigt sich die City Promenade ihrem Ende zu. Der Weg führt noch an der Kathedrale Notre-Dame vorbei und endet schließlich am Fuße der Gëlle Fra. Über dem Petruss-Tal genießen die Besucher einen letzten Ausblick auf die Hauptstadt. Sie werden die Stadt nun möglicherweise weiter auf eigene Faust erkunden, für Marie-Jeanne jedoch geht der Tag jetzt zu Ende. "Am zufriedensten bin ich, wenn die Besucher mir am Ende der Führung sagen, dass meine Begeisterung für die Stadt sie angesteckt hat und dass sie froh und um neue Entdeckungen bereichert nach Hause gehen".
Das anspruchsvollste Publikum seien jedoch häufig die Luxemburger selbst, fügt sie noch hinzu. Doch genau das mache die Führungen so anregend. "Es gelingt mir regelmäßig, Luxemburgern Orte zu zeigen oder Anekdoten zu erzählen, die sie nicht kannten. Andererseits lerne ich auch von ihnen so manches, was ich noch nicht wusste. Jede Führung ist also ein Austausch, der mich bereichert und mir ermöglicht, dieses neue Wissen in die nächsten Führungen einfließen zu lassen."
Auch wenn sie ständig Neues über ihre Stadt dazulernt, bleibt sie davon überzeugt: Nur wenige Hauptstädte bieten so viel Gegensätzliches auf so wenig Raum. In wenigen Gehminuten gelangt man von einer zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Altstadt in ein modernes Europaviertel. Diese Nähe macht Luxemburg zu einer einzigartigen Stadt in Europa.
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