Ehrenamt und die Minièresbunn: Tourismus und Kulturerbe auf Kurs halten

Helfende Hände
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In Luxemburg waren 2022 35 % der Bevölkerung ehrenamtlich tätig, womit das Land, gemessen am Anteil der Ehrenamtlichen, europaweit den vierten Platz einnimmt. Der Freiwilligensektor und das Ehrenamt spielen eine zentrale Rolle in der Weiterentwicklung und dem Zusammenhalt unserer Gesellschaften. Getragen von Werten wie Solidarität, Bürgersinn und Respekt, kommen sie durch das freiwillige und unentgeltliche Engagement jedes Einzelnen im Dienste anderer oder des Gemeinwohls zum Ausdruck. Der Freiwilligendienst gibt Jugendlichen unter 30 Jahren die Möglichkeit, sich für einen festgelegten Zeitraum in Vollzeit in einem Projekt von allgemeinem Interesse zu engagieren. Des Weiteren ermutigen immer mehr Unternehmen ihre Mitarbeiter, sich im Rahmen des betrieblichen Ehrenamts zugunsten von Wohltätigkeitsorganisationen zu engagieren. In Luxemburg wie anderswo tragen diese Formen von Engagement dazu bei, inklusivere Gesellschaften aufzubauen.

Die Minièresbunn: ein lebendiges Kulturerbe im Herzen des luxemburgischen Bergbaugebiets

Seit über 30 Jahren lässt die Minièresbunn die Industrie- und Bergbaugeschichte Luxemburgs wieder aufleben. Auf einer einzigartigen Strecke zwischen Fond‑de‑Gras und Lasauvage sorgt der Verein dafür, dass authentisches Bergbaumaterial erhalten bleibt, restauriert wird und funktionsfähig bleibt. Dank dem Engagement seiner freiwilligen Helfer sind Lokomotiven, Waggons und die Infrastruktur weiterhin in Betrieb, sodass Besucher das Know-how und die Arbeitsbedingungen der Bergleute von einst entdecken können.

Die Minièresbunn betreibt ein Streckennetz von fast 6 km, davon 1,4 km unterirdisch im ehemaligen Bergwerk, das Fond‑de‑Gras mit Lasauvage verbindet. Die Züge werden von Dampf-, Diesel- oder Elektrolokomotiven aus verschiedenen Epochen des Bergbaus betrieben, darunter eine aus dem Jahr 1895. Jedes Jahr nutzen 7.000 bis 9.000 Besucher diese historischen Züge, insbesondere auf der grenzüberschreitenden Strecke nach Saulnes, der ersten Schmalspur-Museumsbahn der Europäischen Union.

Führungen durch das Bergwerk zeigen, wie der Alltag der Bergleute konkret ausgesehen hat: Werkzeuge, Maschinen, Techniken und die Entwicklung des Eisenerzabbaus. Der unterirdische Streckenteil vermittelt ein wesentliches immaterielles Kulturerbe, das mit der Stahlindustrie und der Bergbaugeschichte Luxemburgs verknüpft ist.

Durch den Einsatz historischer Lokomotiven bewahrt die Minièresbunn ein einzigartiges technisches Erbe. Die für die Wartung, Restaurierung und den Betrieb dieser Maschinen erforderlichen Fertigkeiten bleiben erhalten und werden an neue Generationen von ehrenamtlichen Helfern weitergegeben, so dass die Kontinuität eines seltenen Know-hows gesichert ist.

Die Aktivitäten beschränken sich aber nicht nur auf touristische Fahrten.

Die Aktivitäten des Vereins gehen aber weit über die touristischen Fahrten hinaus und umfassen die Restaurierung der Lokomotiven, die Instandhaltung der Gleise und der elektrischen Anlagen, die Veranstaltung von Sonderbesichtigungen sowie die Organisation von Sonderzügen, den Erhalt der Werkstätten und Bergbauinfrastrukturen, die Pflege von Archiven und Werkzeugen neben der Weitergabe von technischem und historischem Wissen. Diese umfangreiche Arbeit wird ausschließlich von ehrenamtlichen Helfern geleistet, in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Institut für gebautes Erbe - INPA sowie den Gemeinden von Differdingen, Petingen und Saulnes (F).

Die Minièresbunn ist ebenfalls ein Ort des Austauschs und des Lernens, an dem sich verschiedene Generationen begegnen. Die Freiwilligen teilen hier ihre Erfahrungen, Kompetenzen und ihre gemeinsame Leidenschaft für die Industrie- und Eisenbahngeschichte und machen den Verein so zu einem Ort lebendiger Wissensvermittlung.

Der Verein sucht regelmäßig neue, motivierte Mitglieder. Vorkenntnisse oder Erfahrung sind nicht erforderlich: Hier findet jeder seinen Platz, egal ob er sich für Eisenbahnen, Industriegeschichte, Mechanik, Elektrotechnik oder handwerkliche Tätigkeiten begeistert oder einfach nur neugierig ist, eine einzigartige Welt zu entdecken. Interessierte können sich über die Agence du Bénévolat informieren oder sich direkt an die Stiftung wenden, um geeignete Aufgaben zu finden.

Agentur für das Ehrenamt - Handeln fördern, Solidarität stärken

Seit 2002 hat es sich die Agentur für das Ehrenamt (Agence du bénévolat) zur Aufgabe gemacht, das ehrenamtliche Engagement in Luxemburg bei Behörden, Organisationen, die zur ehrenamtlichen Mitarbeit aufrufen, sowie in der breiten Öffentlichkeit zu fördern und zu entwickeln. Ihr Portal www.benevolat.lu präsentiert die in Luxemburg tätigen Vereine und bietet eine Ehrenamtsbörse, die Interessierte mit passenden freiwilligen Tätigkeiten zusammenbringt und Vereinen die Suche nach Ehrenamtlichen erleichtert.

Die Agentur für das Ehrenamt verleiht alljährlich die Auszeichnung für ehrenamtliches Engagement und würdigt damit das unentgeltliche Engagement sowie den wertvollen Beitrag, den zahlreiche Ehrenamtliche in Luxemburg leisten. Sie vergibt zudem das Qualitätslabel "Ehrenamt", mit dem Vereine die Qualität ihrer Organisation und ihrer Betreuung der ehrenamtlichen Helfer unterstreichen können.

Wussten Sie schon?

Die im Rahmen der ehrenamtlichen Tätigkeiten erlangten Kenntnisse und Fertigkeiten können offiziell anerkannt werden. Jeder Teilnehmer an einem ehrenamtlichen Projekt oder an einer von einem Verein angebotenen Schulung kann ein von der betreffenden Organisation ausgestelltes Zertifikat erhalten. Dieses Dokument bescheinigt die ausgeführten Aufgaben sowie die erworbenen Fertigkeiten. Darüber hinaus haben Freiwillige die Möglichkeit, die Anerkennung erworbener Kenntnisse (VAE) beim Ministerium für Bildung, Kinder und Jugend zu beantragen. Diese Zertifizierung richtet sich an Personen, die umfangreiche Erfahrungen im ehrenamtlichen Bereich gesammelt haben, und kann die Arbeitssuche, die berufliche Weiterentwicklung oder einen Stellenwechsel erleichtern.

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Freiwilligendienst - junge Menschen engagieren sich

Der Freiwilligendienst ist eine andere Form des Engagements, die es jungen Menschen unter 30 Jahren ermöglicht, für eine Maximaldauer von 12 Monaten an einem begleiteten gemeinnützigen Projekt in Luxemburg oder im Ausland teilzunehmen. Der Freiwilligendienst ist eine Gelegenheit, Engagement für das Gemeinwohl mit einer Erfahrung zu vereinbaren, durch die in der Berufswelt nützliche Kompetenzen erworben werden können, wie beispielsweise Selbstkenntnis, Selbstständigkeit, Verantwortung oder Teamarbeit. Zudem handelt es sich um eine bereichernde menschliche Erfahrung.

In Luxemburg ist das Nationale Jugendwerk (Service national de la jeunesse) die wichtigste Anlaufstelle für den Freiwilligendienst. Auf der Website volontaires.lu findet man alle Informationen zu den Voraussetzungen für den Freiwilligendienst, zu Organisationen, die gemeinnützige Einsätze anbieten, sowie zu den erforderlichen Schulungen. Es gibt drei Arten von Freiwilligendienst: den nationalen, den europäischen sowie den Kooperationsdienst. Die Website richtet sich auch an Organisationen, die freiwillige Helfer aufnehmen, sowohl in Luxemburg als auch im Ausland. Jede in Luxemburg ansässige öffentlich-rechtliche oder privatrechtliche Einrichtung kann eine Zulassung beantragen, um als Freiwilligenorganisation anerkannt zu werden.

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Gut zu wissen

Jugendliche unter 30 Jahren können eine Bescheinigung für ihr ehrenamtliches oder freiwilliges Engagement beantragen, die vom Nationalen Jugendwerk (Service national de la jeunesse) ausgestellt wird. Dieses Dokument beschreibt die übernommenen Aufgaben sowie die erworbenen Kompetenzen. Es kann bei der Arbeitssuche oder im Rahmen eines VAE-Antrags als Zusatzinformation benutzt werden.

Wenn Unternehmen sich für eine bessere Welt engagieren

Corporate Volunteering ist ein Konzept, das es Unternehmen ermöglicht, ihre Mitarbeiter zum ehrenamtlichen Engagement in Vereinen zu ermutigen. Das Konzept baut eine Brücke zwischen der Wirtschaft und dem Vereinswesen und schafft damit eine Win-Win-Dynamik. Während die Vereine von spezifischen Kompetenzen, menschlicher Unterstützung und erhöhter Sichtbarkeit profitieren, stärken die Unternehmen ihren internen Zusammenhalt, fördern die Motivation ihrer Mitarbeiter und festigen ihre lokale Verankerung. So kann zum Beispiel eine Bank ihre Mitarbeiter mobilisieren, um einen Verein beim Management seiner Finanzen zu unterstützen, oder ein Industrieunternehmen kann seine Teams zur Verfügung stellen, um Räumlichkeiten zu renovieren oder die Logistik bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung zu unterstützen. Das Gelingen solcher Projekte hängt von einer sorgfältigen Vorbereitung ab: Die Bedürfnisse der Vereine müssen ermittelt, die Erwartungen der Unternehmen geklärt und die Einsätze konkret und realistisch organisiert werden. In Luxemburg spielt die Agentur für das Ehrenamt eine zentrale Vermittlerrolle, indem sie beide Parteien begleitet, um ausgewogene und nachhaltige Partnerschaften aufzubauen.

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