Top 5: Ikonen der luxemburgischen Fiktion Ein Blick auf die Seele Luxemburgs durch fünf belletristische Werke

Unsere Top 5-Reihe ist diesmal der Entdeckung von fünf Ikonen der luxemburgischen Fiktion gewidmet. Comics, Serien und Kriminalromane, 2D- und 3D-Animationen oder Fabeln für Kinder sind gute Ausreden, um den mal ganz besonderen, mal ganz universalen Geist Luxemburgs besser kennenzulernen.

Superjhemp, der Super-Anti-Held von Luxusbuerg

Er schöpft seine Superkräfte aus dem Kachkéis, einer luxemburgischen Käsespezialität, und hat beim Fliegen immer die Hände in den Taschen, "wie ein echter Luxemburger". Um wen könnte es sich hier handeln? Das kann nur unser nationaler Super-Anti-Held Superjhemp sein! Tagsüber ist Charel Kuddel ein biederer Beamter, der für das Ministerium für ungelöste Angelegenheiten im Kleinherzogtum Luxusbuerg arbeitet. Nachts wird er zu Superjhemp, einem Superhelden mit Umhang und Karo-Kappe, der das Verbrechen und die Bösewichte bekämpft.

Die satirische Figur erblickte Ende der 80er Jahre das Leben und ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit an einem Comic des Zeichners Roger Leiner und des Texters Lucien Czuga. Auch wenn es sich dabei um eine der beliebtesten luxemburgischen Geschichten handelt, basiert die Idee auf einem sehr realen Geschehen: eine Serie mysteriöser Bombenanschläge in den Jahren 1984 bis 1986, bekannt unter dem Namen "Bommeleeër-Affäre". Und so wird im Jahr 1988 De Superjhemp géint de Bommeleeër veröffentlicht. Seitdem ist unser lieber Super-Anti-Held in 29 Alben erschienen, und 2018 hat er es mit Superjhemp retörns auf die große Leinwand geschafft. Im Film befindet sich Charel Kuddel in einer Midlife-Crisis, versucht aber, seine Superkräfte wiederzuerlangen, um Luxusbuerg vor einer Katastrophe kosmischen Ausmaßes zu retten. Der Film erzielte das bisher größte Einspielergebnis in der luxemburgischen Filmgeschichte!

Sicherlich sind Humor und Selbstironie in Hülle und Fülle dabei, aber mit Superjhemp lernt man Luxemburg, die VIPs und selbst die luxemburgische Sprache etwas besser kennen!

Capitani, Kriminalpolizei

Luc Capitani ist der neue Stern der luxemburgischen Filmwelt. Der ebenso anspruchsvolle wie griesgrämige Polizist ermittelt im Fall um den Mord an einer Jugendlichen und das Verschwinden ihrer Zwillingsschwester in dem kleinen Dorf Manscheid im Norden Luxemburgs. Der aus dem Süden des Landes stammende Beamte hat Schwierigkeiten, sich an die Mentalität der Einwohner zu gewöhnen. Im Laufe der Ermittlungen muss Luc Capitani demnach nicht nur einen Mörder jagen, sondern auch ein System zerschlagen, in dem viele Leute im Namen des "Allgemeinwohls" manipuliert werden: nichts ist, wie es scheint, und jeder Einwohner scheint mehr zu wissen, als er preisgeben möchte.

Woher kommt diese autoritäre und leicht arrogante Figur, die es weder den Befragten noch ihren Kollegen noch den Zuschauern leicht macht? Er ist der Held der ersten Kriminalserie in luxemburgischer Sprache, Capitani. Ein klassischer Kriminalthriller mit 30-minütigen Folgen, der auch mit den Klischees und Vorurteilen spielt, die die Luxemburger über sich selbst haben.

Die Serie lief im Herbst 2019 auf dem Sender RTL, ihren wahren Erfolg hatte sie aber mit der Ausstrahlung auf Netflix im Februar 2021. Sie schaffte es in die Top 10 der meistgesehenen Serien in 49 Ländern! Der Schauspieler Luc Schiltz, der die Rolle des Capitani spielt, tourt seither durch die Bildschirme der ganzen Welt.

D'Maus Ketti, die nette Feldmaus, lernt einiges dazu

Von Auguste Liesch geschrieben und 1936 veröffentlicht, bleibt Maus Ketti eine der bekanntesten Erzählungen der luxemburgischen Literatur. Ketti, eine nette Maus aus dem Süden, erhält Besuch von ihrer versnobten Kusine Mim, die in Clausen in der Hauptstadt lebt. Da sie nicht mit dem aufgetischten Essen zufrieden ist, lädt Mim ihre Kusine vom Land in die Stadt ein, um ihr die erstklassigen Köstlichkeiten zu zeigen, mit denen sie ständig angibt. In der Stadt schleichen die beiden Mäuse dann in ein Haus und machen sich über einen vollgedeckten Tisch her. Plötzlich taucht der Kater Tunn auf und will die Mäuse fangen.

Inspiriert von einer Fabel des griechischen Dichters Äsop, erzählt die Geschichte vom Unterschied zwischen dem Land- und dem Stadtleben und den Lehren, die man daraus ziehen sollte. Sie stand in vielen Grundschulen in Luxemburg auf dem Lehrplan und wird auch weiterhin in den Luxemburgischkursen behandelt!

Die Maus ist in Luxemburg so bekannt, dass ihr eine Skulptur in der Gemeinde Bürmeringen sowie ein Brunnen in Mondorf-les-Bains gewidmet sind.

Pierre Blanc, öffentlich zugänglich

Der verschlossene Mr Hublot gewinnt einen Oscar

Er trägt eine riesige, dicke Brille und hat vier quadratische Löcher auf der Stirn, durch die Zahlen rollen. Gestatten: Mr Hublot, die ikonische Figur des gleichnamigen Films, der 2014 den Oscar für den besten animierten Kurzfilm gewonnen hat.

Monsieur Hublot lebt in einer absurden Welt, in der zusammengewürfelte, zusammengenähte, teils mechanische Figuren mit übergroßen Fahrzeugen nebeneinander her leben, einer Welt, in der mechanische Größe und beharrliche Wiederherstellung vorherrschen. Mr Hublot leidet an zahlreichen Ticks und Manien, hat Angst vor der Außenwelt, lebt zurückgezogen und hasst Änderungen und Unvorhergesehenes. Er hat ein effizientes Mittel dagegen gefunden: nie nach draußen gehen! Als der Roboterhund Pet in sein Leben tritt, wird dieses gehörig auf den Kopf gestellt, und er muss lernen, mit seinem neuen, Platz einnehmenden Begleiter zu leben.

Der Kurzfilm wurde komplett im Großherzogtum produziert und hergestellt, und zwar vom Produzenten Laurent Witz (Zeilt Productions) in Zusammenarbeit mit dem Luxemburger Alexandre Espigares, einem ehemaligen Studenten des BTS Animation am Lycée Technique des Arts et Métiers der Stadt Luxemburg. Die Produktion des 2D- und 3D-Animationsfilms hat ganze drei Jahre gedauert!

© ZEILT productions - WATT frame - Arte, alle Rechte vorbehalten

Xavier Kieffer, Koch und Detektiv

Xavier Kieffer ist ein ehemaliger Sternekoch, der nun ein kleines Restaurant in Luxemburg führt. Als ein Gastronomiekritiker aus Paris plötzlich tot in seinem Restaurant zusammenbricht und er des Mordes verdächtigt wird, nimmt er die Dinge kurzentschlossen selbst in die Hand: seine Karriere als Amateurdetektiv nimmt ihren Lauf. Aber kein Grund zur Beunruhigung! Xavier Kieffer ist eigentlich der Held der Kriminalromane von Tom Hillenbrand, die im Großherzogtum und dessen Umgebung spielen.

Der erste Roman der Reihe, Teufelsfrucht, erschien 2011. Ihm folgten 5 weitere Romane: Rotes Gold, Letzte Ernte, Tödliche Oliven, Gefährliche Empfehlungen und Bittere Schokolade. Tom Hillenbrand schreibt derzeit am siebten Abenteuer des Kochs, der ungewollt zum Detektiv wurde.

Der Wirtschaftsjournalist Tom Hillenbrand hat Luxemburg und seine Gastronomie anlässlich eines Praktikums beim Europäischen Parlament im Jahr 1997 entdeckt. Der Hobbykoch machte seine erste kulinarische Bekanntschaft mit der luxemburgischen Küche auf einem Markt, auf dem Gromperekichelcher (Kartoffelpuffer) verkauft wurden. Am meisten geprägt hat ihn jedoch der Huesenziwwi (Hasenpfeffer).

Versäumen Sie also nicht, Luxemburg anhand dieser gastronomischen Kriminalromanreihe etwas besser kennenzulernen!

© Dirk Guldner
© Tom Hillenbrand, KiWi Verlag

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