Luxemburg: ein Land reich an Funden
Luxemburg ist reich an archäologischen Funden, die von der abwechslungsreichen historischen Vergangenheit des Landes zeugen. Bei jedem Fund gibt die Erde ein neues Fragment aus der Vergangenheit preis. Keramikscherben, Münzen, Werkzeuge, Fossilien von Dinosauriern und sogar Überreste von Häusern und ganzen Dörfern verschiedener Zivilisationen kommen regelmäßig aus dem luxemburgischen Boden zum Vorschein. Diese Entdeckungen veranschaulichen den archäologischen Reichtum des Landes.
Zu den wichtigsten Persönlichkeiten zählt der "Mann von Loschbour", ein Jäger und Sammler aus der Vorgeschichte, dessen Knochen vom Lehrer und Forscher Nicolas Thill im Jahr 1935 unter einem Felsen im Müllerthal entdeckt wurden. Forschungen ergaben, dass der Mann gegen Ende des Mesolithikums lebte, d. h. vor etwa 8.000 Jahren. Obwohl der "Mann von Loschbour" nie ein Smartphone bei sich trug, erzählt seine DNA weit mehr als jegliches Selfie. Dank der Fortschritte der Genetik weiß man, dass der Mann etwa 1,60 m groß und von kerniger Statur war, ca. 60 Kilo wog, einen dunklen Hautton, dunkle Haare und ... blaue Augen hatte. Sein Skelett wird aktuell im Nationalmuseum für Naturgeschichte ausgestellt.
Die Wissenschaft hat allerdings gezeigt, dass er nicht der älteste Mensch war, der auf luxemburgischen Gebiet gefunden wurde. Ganz in der Nähe deuteten die verkohlten Knochen einer Frau auf ein noch früheres Datum hin – etwa 1.000 Jahre vor dem Loschbour-Mann.
Das Luxemburg der Dinosaurier
Unser archäologischer Ausflug hört allerdings nicht mitten im Mesolithikum auf. Wir gehen noch weiter in der Zeit zurück und erreichen eine noch ältere Epoche, die vielen aus dem Film Jurassic Park bestens bekannt ist. In der Jurazeit bedeckte das Meer einen Großteil des Gebiets, einschließlich des Südens des Landes, das Minett. Genau dort haben Archäologen 2017 einen Plesiosaurier ausgegraben – ein 185 Millionen Jahre altes Meeresreptil. Da diese Exemplare äußerst selten sind, gilt das Fossil als einer der spektakulärsten paläontologischen Funde des Landes.
Und es geht noch weiter. Im März 2025 wurden in der Region Larochette Überreste großer gepanzerter Amphibien (Panzerlurche) zutage gefördert, die aus dem Trias stammen. Über hundert Knochen wurden ausgegraben: ein Fund, der etwa 210 Millionen Jahre alt ist. Diese Amphibien zählten zu den größten Räubern ihres Zeitalters und lebten ähnlich wie die heutigen Krokodile.
Nun zu den Dinosauriern selbst: 2014 wurde in Brouch die erste offiziell anerkannte Entdeckung in Luxemburg gemacht. Paläontologen haben eine Zahnkrone und einen Zehenknochen ausgegraben, die fleischfressenden Dinosauriern aus dem Jura zuzuordnen sind, die vor etwa 200 Millionen Jahren hier lebten.
Die Schätze der Römer und Kelten
Mehrere Millionen Jahre später betritt der zivilisierte Mensch die Bühne. Und es handelt sich nicht mehr nur um menschliche Kreaturen, die zutage gefördert werden, sondern auch um Relikte organisierter Gesellschaften, insbesondere der Kelten, deren Spuren auf dem Titelbergplateau besonders deutlich zu sehen sind. Dort wird ein riesiges, über 50 Hektar großes Oppidum gefunden, das im ersten Jahrhundert vor Christus errichtet und durch eine fast 3 km lange Befestigungsmauer geschützt wurde. Nach der Eroberung Galliens durch Julius Cäsar fiel der Titelberg in den Schoß des Römischen Reiches.
Und diese Präsenz beschränkt sich nicht allein auf diesen Ort: in Dalheim zeugen auch die Überreste der Stadt Ricciacum von den dauerhaften Hinterlassenschaften der Römer in der Region. Die 35 ha große Gesamtfläche umfasste Häuser, öffentliche Bereiche, Tempel und Thermen. Nicht weit entfernt haben Forscher zudem ein gallo-römisches Theater entdeckt, das nahezu 3.500 Besuchern Platz bot.
Im Dezember 2024 erfolgte einer der bedeutendsten Funde aus dem römischen Zeitalter in Holzthum: 141 außergewöhnliche Goldmünzen aus dem späten 4. Jahrhundert, auf denen acht römische Kaiser abgebildet sind, die zwischen 364 und 408 nach Christus regierten.
Ein anderer zwar nicht goldener, aber historischer Schatz ist zweifelsohne die römische Villa in Echternach, einer der beeindruckendsten archäologischen Orte von Luxemburg. Diese etwa 70 nach Christus errichtete Residenz war damals ein luxuriöses zweistöckiges Landgut mit mit Marmor verkleideten Wänden und Mosaikböden, unter denen sich eine Heizung befand.
Das Mosaik von Vichten
Das Mosaik von Vichten ist der wohl bedeutendste römische Fund, den es je auf luxemburgischem Boden gab. Das 1994 in einem landwirtschaftlichen Betrieb im kleinen Ort Vichten entdeckte Mosaik zierte den Boden einer bedeutenden Villa aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. Heute wird es im Nationalmuseum für Geschichte und Kunst (MNAHA) ausgestellt und befindet sich in ausgezeichnetem Zustand. Das etwa 60 Quadratmeter große Mosaik zeigt die neun Musen aus der griechischen Mythologie, darunter Kalliope zusammen mit Homer im Mittelpunkt des Werks. Eine Kopie dieses Steinteppichs befindet sich in Vichten zwischen der Kirche und dem Rathaus.
Das Mittelalter
Nach dem Untergang des Römischen Reiches lassen sich die Franken während des Hochmittelalters (5.-8. Jahrhundert) im heutigen Luxemburg nieder. Ihre Spuren gehören heute zu den wichtigsten archäologischen Funden dieser Epoche. Sie lassen uns insbesondere in merowingische Zeiten eintauchen, wie die Grabhügel Telpeschholz in Dondelingen, Clemency, Schengen und Dalheim bezeugen. Archäologen haben dort Skelette sowie Opfergaben wie Waffen, Schmuck und Alltagsgegenstände ausgegraben. Weitere fränkische Grabhügel wurden in Echternach, Mamer, Beringen, Schieren und Bech zutage gefördert.
Während die Franken in der Region Wurzeln schlagen, schreitet die Christianisierung verstärkt voran, und die ersten Kirchen und Abteien werden errichtet. Archäologische Ausgrabungen aus dem Jahr 2014 zeugen von dieser religiösen Entwicklung, darunter die Entdeckung der Überreste des Cordeliers-Klosters und seines mittelalterlichen Friedhofs unter der rue du Fossé in der Stadt Luxemburg. Eine Befestigungsmauer, etwa zwanzig Gräber und ein Ossuarium kamen ans Licht.
Im Zuge dieser Ausgrabungen wurde auch eine Münze aus dem 10. Jahrhundert entdeckt, ein Silberpfennig, der unter der Herrschaft von Heinrich I. dem Vogelfänger,, von 919 bis 935 König von Germanien und Lotharingien, geprägt wurde. Dieses Geldstück, das bis zum 12. Jahrhundert im Umlauf gewesen sein dürfte, fällt zeitlich mit dem Bau des Kastells Lucilinburhuc durch den Grafen Siegfried (922-998) gegen 963 zusammen.
Diese als Geburtsstunde Luxemburgs geltende, ikonische Burg prägt den Eintritt des Landes in das feudale Zeitalter und kündigt das Erscheinen der ersten echten Befestigungsanlagen an. Zu den zahlreichen Zeugnissen dieser Epoche zählen die sieben Schlösser und Burgen im Tal der Eisch, das gemeinhin Tal der Sieben Schlösser genannt wird. 2025 wurden in Hollenfels – wo sich eine der Burgen des Tals befindet – ein die Festung umgebender Graben sowie die Relikte einer Steinbrücke zutage gefördert, unmittelbare Zeugnisse des mittelalterlichen Lebens und seiner Verteidigungsarchitektur.
Luxemburg besitzt mittelalterliche Funde im Überfluss, die vom alltäglichen Leben und der Welt der Festungsanlagen im Mittelalter zeugen. Häufig seit Jahrhunderten unter unseren Füßen begraben, werden diese Spuren aus der Vergangenheit noch heute immer wieder ans Licht gefördert.
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