Knacken Sie die Codes an der École 42! Der Digital Learning Hub hat sich der Ausbildung von Entwicklern verschrieben.

Die Digitalisierung nimmt in allen Bereichen rasant zu. Sie ist Teil unseres Habitus, unseres Alltags, unserer Gesellschaft. Die Einführung neuer Technologien macht auch vor der Arbeitswelt nicht Halt. Die Beherrschung digitaler Tools ist heute mehr denn je eine wichtige Komponente im Rahmen der Arbeitssuche. Der Digital Learning Hub und seine in dem Bereich spezialisierte École 42 fördern ihre Studierenden, damit sie auf dem neuesten Stand der Technologie sind und auf dem Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig bleiben. Ihre Methode ist unkonventionell.  

Innovativ, anders und offen, so könnte man den Digital Learning Hub in drei Worten zusammenfassen. Der DLH steht in der Tat allen Volljährigen offen, und zwar unabhängig von deren Qualifikation oder Abschluss. Das Schulsystem an sich hebt sich von demjenigen einer klassischen Schule ab.

Die Ausbildung legt den Schwerpunkt vielmehr auf Projekte und Gruppenarbeit als auf theoretischen Unterricht. Sie ist somit eher praxisorientiert und stützt sich auf Learning by Doing, was der Förderung des selbstständigen Lernens und der Kreativität dienen soll. Die Anzahl der Studierenden pro Kurs ist begrenzt, um eine persönliche und effiziente Betreuung zu fördern. 

Die Idee hinter dem projektorientierten Ansatz und dem Lernen in der Gruppe besteht darin, das Verantwortungsbewusstsein und die Lust auf das Unternehmertum zu fördern. Daher gehört die Möglichkeit einer Unterstützung bei der Gründung von Start-ups zu den Aufgaben des DLH. Dank des Einsatzes von externen Fachleuten und des Austauschs unter Gleichgesinnten haben die Schüler die Möglichkeit, anhand von Erfahrungen aus der Berufspraxis zu lernen, bevor sie sich auf den Arbeitsmarkt begeben.

Im Allgemeinen konzentriert sich die Ausbildung im DLH nicht nur auf die Verbesserung der digitalen Kompetenzen von Einzelpersonen, sondern verfolgt einen breiteren Ansatz. Der Unterricht gilt als Investition in die Kompetenzen des 21. Jahrhunderts, und der DLH stärkt durch seine Ausbildungen die Wettbewerbsfähigkeit der luxemburgischen Wirtschaft.  

DLH: erster Schulanfang in diesem Jahr

Die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften in der IT-Branche (IT) war noch nie so groß. Die der Arbeitsagentur (ADEM) gemeldeten freien Stellen in den Zweigen der IT-Branche beliefen sich 2021 auf mehr als 3.500, was einem Anstieg um nahezu 44% im Vergleich zum Jahr 2020 entspricht. Etwa die Hälfte dieser Stellen war im Bereich der Softwareentwicklung zu finden (Anwendungsentwickler, Analytiker-Programmierer, Web-Entwickler ...).  

Das Ziel ist klar: digitale Kompetenzen in Luxemburg müssen ausgebaut werden, um die Auslagerung von Stellen in andere Länder zu vermeiden. Die von der Politik vorgeschlagene Lösung für die Problematik heißt Digital Learning Hub (DLH), ein neues Berufsausbildungszentrum, das der Modernisierung der Ausbildungen angesichts der Digitalisierung von Berufen dient.

Diese im Terres-Rouges-Gebäude in Belval angesiedelte neue Struktur hat sich der Aufgabe verschrieben, bei jungen Leute das Interesse am Programmieren zu wecken, um langfristig erstklassige Programmierer auszubilden.

Der erste Jahrgang hat im Mai dieses Jahres angefangen. Die Studierenden werden sich mit Cybersicherheit, Blockchain und Design Thinking auseinandersetzen. Die École 42 ergänzt die im Digital Learning Hub angebotene Ausbildung um einen einmaligen Lernansatz. 

© Pierre Weber

Cybersicherheit

Der DLH bietet Ausbildungen im Bereich Cybersicherheit an, d. h. er lehrt Risiken und Best Practices, die mit dem Schutz von IT-Systemen und -Netzwerken verbunden sind. Die Unterrichtseinheiten umfassen sowohl die Sensibilisierung als auch eine gezielte Spezialisierung. Letztere erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Koordinierungszentrum (NCC) des Europäischen Kompetenzzentrums für Cybersicherheit (ECCC).    

Blockchain

Ein anderer Bereich, in dem der DLH Ausbildungen anbietet, ist die Blockchain, eine Technologie, mit der die Speicherung und Bereitstellung von Informationen in Form einer Datenbank ermöglicht wird. Die Ausbildungen, die bis zu 14 Wochen dauern können, lassen die Teilnehmer die Grundlagen der Blockchain und deren rechtliche und finanzielle Auswirkungen (FinTech) entdecken.

Design Thinking

Der DLH ermöglicht auch das Erlernen von Design Thinking. Gemeinsam mit der Design Thinking School oder D-School des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) in Potsdam werden Ausbildungen in den Bereichen Design Thinking, User Experience (UX) und Prototypenerstellung angeboten. Design Thinking ermöglicht die Lösung komplexer Probleme und die Konzipierung innovativer Produkte im Rahmen eines Ansatzes, bei dem der Mensch im Fokus steht.

Der Digital Learning Hub, praktische Seite

Der Digital Learning Hub erstreckt sich über zwei Stockwerke mit jeweils 700m2. Er stellt offene (Open Spaces) und vielfältig nutzbare Räume sowie multifunktionale Unterrichtsräume mit beweglicher Ausstattung zur Verfügung.

Hinzu kommen Computerräume für Netzwerke und Cybersicherheit ebenso wie ein Labor für die Konzipierung von Produkten und die Prototypenerstellung, das FabLab, mit einer Vielzahl von 3D-Druckern und Laser Cuttern.

Ein Hörsaal, eine Mensa und Ruhebereiche komplettieren die Infrastruktur. Im DLH können 400 Personen gleichzeitig ausgebildet werden.   

École 42: keine Lehrer, keine Kurse, keine Prüfungen

In Belval im Digital Learning Hub hat die IT-Schule 42 (École 42) ihren ersten Campus lanciert. Diese 2013 in Paris gegründete Schule für Coding oder Programmierung gibt es bereits in 25 anderen Ländern. Die luxemburgische Niederlassung der École 42 ist das Highlight des DLH. Sie bietet eine umfassende und komplexe Programmierausbildung an und zeichnet sich durch eine Weiterentwicklung entsprechend den erreichten Niveaus und nicht durch klassische Prüfungen aus.

Ihre Einzigartigkeit besteht jedoch darin, dass sie auf den Grundsätzen des Peer-to-Peer-Lernens beruht, d. h. sie funktioniert auf Basis der Beteiligung und Interaktion zwischen den Studierenden. Die Schule ist rund um die Uhr und sieben Tage die Woche geöffnet und hat keine Lehrer. Es sind jedoch pädagogische Teams vorhanden, die die Schüler auf der Suche nach ihren eigenen Lösungen begleiten. Um an der École 42 voranzukommen, muss man in Gruppen arbeiten, die Gemeinschaft hinzuziehen, um über sich hinauszuwachsen, und seine Lernfortschritte mit seinen Mitschülern teilen. Tafeln und Notizblöcke gibt es an der École 42 nicht. 

Die Ausbildung beinhaltet unter anderem die C-Entwicklung in einer UNIX-Umgebung, die Web-Entwicklung in PHP, die IT-Sicherheit, die Entwicklung mobiler Anwendungen und die Architektur von IT-Netzwerken.

Bloß nicht die PISCINE-Wochen schwänzen

Vor Beginn der Ausbildung müssen sich die Bewerber ins kalte Wasser stürzen, glücklicherweise aber nicht im wahrsten Sinne des Wortes. Bei den PISCINE-Wochen handelt es sich um vier Wochen, in denen die Bewerber die Praxisbedingungen kennenlernen und mit der Ausbildung beginnen. Vorkenntnisse im Codieren sind nicht erforderlich: egal wie das Ausgangsniveau ist, die École 42 versucht, die Bewerber herauszufordern, während der PISCINE-Wochen ihr Bestes zu geben. 150 Personen können daran teilnehmen.

Die PSCINE-Wochen ermöglichen das Kennenlernen aller Lernmethoden der Ausbildung: Peer-to-Peer, Gruppenarbeit, Peer-Beurteilungen, Projektpädagogik. Die Lernenden können so herausfinden, ob die Ausbildung an der École 42 das Richtige für sie ist. Es handelt sich nicht um einen Wettbewerb.

Die Ausbildung an der E42 ist kostenlos, erstreckt sich über drei Jahre und schließt mit einem Zertifikat ab, das einem BAC+3 in Frankreich gleichwertig ist. Ein vorheriges Diplom oder Zertifikat ist nicht notwendig.