Der kulturelle Süden Abwechslungsreich, regional und international – eine Region, die unter dem historischen, industriellen, gesellschaftlichen und kulturellen Erbe aufblüht

Für diesen Artikel haben wir Persönlichkeiten aus der Kulturbranche im Süden um ihre kulturellen Empfehlungen der Region im weitesten Sinne gebeten, um Ihnen ungewöhnliche Orte und Sehenswürdigkeiten vorstellen zu können.

Mit seiner von der Eisen-und Stahlindustrie geprägten Vergangenheit, die den Grundstein für den wirtschaftlichen Wohlstand von früher legte und stark mit Migration verbunden war, und einer zukunftsorientierten Gegenwart, ist der Süden heute eine Region mit einer starken Identität. Tatsächlich zeugen das industrielle und kulturelle Erbe von seiner Geschichte, die Universität Luxemburg steht für Innovation und Know-how, und die starke Stadtplanung ist nicht nur Teil einer wachsenden Wirtschaft, sondern zeigt auch den Willen, nach vorne zu schauen. Die Kultur ist im Süden allgegenwärtig: dank seiner kosmopolitischen Bevölkerung, durch die Nominierung von Esch an der Alzette als Europäische Kulturhauptstadt 2022 und durch seine beliebten Kulturzentren.

Lasauvage – eine andere Welt

Tania Brugnoni, Direktorin des Kreativ-Hubs 1535°in Differdingen, lädt Sie ein, in Lasauvage eine andere Welt zu entdecken. Sie war von Anfang an für den größten Inkubator der Kreativindustrie in Luxemburg verantwortlich und nimmt uns mit auf eine Reise durch "die reiche Geschichte, besondere Architektur und sehr schöne Landschaft" dieses Dorfs.

Die Legende um Lasauvage – "Tal der wilden Frau" – wurde von einer wilden Frau "begründet", die in einer Höhle des Felsens "La Cronnière" wohnte. Das Bild der "Barbarin" und ihres "Exorzismus" finden Sie auf eben diesem Felsen.

Im Lauf der Geschichte wurden verschiedene Hochöfen im Dorf gebaut, was es bis 1877 zum größten Produktionsstandort im Land machte. Die Idee von Graf Saintignon, in Lasauvage Thermalbäder einzurichten, wurde leider nicht umgesetzt, doch die Minette-Förderung war ein großer Erfolg. 1978 wurde das letzte Bergwerk geschlossen.

Streifen Sie über die Wanderwege der Region durch Wälder und entlang natürlicher Weiher, besuchen Sie die Museen der Gemeinde und erfahren Sie mehr über die Geschichte und die Kultur dieser ganz besonderen Stadt.

© Ville de Differdange

OUNI – Öko-Shopping-Kultur

OUNI – der erste Bio-Unverpacktladen in Luxemburg-Stadt und Düdelingen!

Diese umweltfreundliche Supermarkt-Alternative ist die Empfehlung von Luc Spada, Autor, Schauspieler, Kurator und Moderator aus Sanem. Neben seinen Leseabenden und Bühnenauftritten ist Luc vor allem für seine "Poetry-Slam"-Abende bekannt, die er gemeinsam mit Michel Abdollahi, deutscher Conférencier, Künstler und Journalist, organisiert und die einen guten Ruf genießen.

OUNI steht für "Organic Unpackaged Natural Ingredients" und bedeutet auf Luxemburgisch "ohne". Diese Kooperative wurde von engagierten jungen Menschen gegründet, die eine Alternative beim Einkaufen anbieten wollen: nachhaltig, regional, fair, bio und natürlich verpackungsfrei.

Bringen Sie Ihre Tupper-Dosen und Einmachgläser mit – sie werden Ihnen nützlich sein!

"Die Atmosphäre im Laden ist entspannt, weil keine Neonröhren leuchten und keine zweifelhafte Hintergrundmusik läuft", um den luxemburgischen Autor zu zitieren.

© OUNI

Luc Spada hebt auch die  Veranstaltungen und Konferenzen  hervor, die OUNI rund um ökologische Themen organisiert, und lädt Sie dazu ein, diesen lebendigen Ort der Begegnungen zu besuchen und Ihr ökologisches Engagement auszuweiten.

Gaalgebierg – zwischen Kindheitserinnerungen und kulinarischer Kultur

© Gemeng Suessem

De Läb, DIE luxemburgische Hip-Hop-Gruppe, nimmt Sie mit auf eine Reise durch ihre Kindheitserinnerungen und eine multikulturelle gastronomische Begegnung. Sie nennen das Minett ihre Heimat und sind wahre Kenner der Region

Folgen Sie also den Tipps von Corbi (Räp und Beats) und David D.Fluit (Räp und Beats) auf demGaalgebierg bei Belvaux! Sie haben ihre Jugend auf diesem Hügel zwischen Belvaux, Sanem und Esch an der Alzette verbracht. Aufseiten von Belvaux erinnert ein Teil der restaurierten Ruinen noch heute an die Eisenerzförderung in Luxemburg. Alte "Buggys" verbergen sich in der Natur rund um den Lehrpfad, der einen lebendigen Überblick über vergangene Zeiten bietet.

Am Fuß des Hügels angekommen, bestehen De Läb auf  einem Besuch des Restaurants Gurman. Hier können Sie nicht nur  kroatische Spezialitäten und Leckerbissen probieren, sondern die Chancen stehen auch gut, die Musiker persönlich anzutreffen. Das ist nämlich ihr Lieblingsrestaurant! 

Die "klassischen" Kulturorte des Südens: unumgänglich und symbolträchtig

Verpassen Sie nicht diese fantastischen Orte, die für Liebhaber von Kunst, Theater und Musik ein absolutes Muss sind:

- die Rockhal

- die Kulturfabrik

- das Escher Theater

- das Nationale audiovisuelle Zentrum mit seinem Waassertuerm und Pomhouse

Die Stellwerke – außergewöhnliche Zeugen der Geschichte und Architektur

Schlicht, viele Fenster, ein moderner Stil, der an die Stromlinien-Moderne der 30er Jahre erinnert... so beschreibt Trixi Weis, seit vielen Jahren in Esch an der Alzette ansässige luxemburgische Künstlerin, ihre Empfehlung im Süden: die Stellwerke aus der Blütezeit der Eisen- und Stahlindustrie. Sie können die Arbeit der Künstlerin im öffentlichen Raum als monumentale LED-Werke (z.B. "City Clock" (2013) auf dem Boulevard Kennedy auf dem Kirchberg und am Lycée technique de Lallange in Esch an der Alzette) und im Bühnenbild von Theaterstücken entdecken.

Am Standort "Lentille Terres Rouges" gibt es immer noch ein Stellwerk. Seine bemerkenswerte Architektur hat ihm die Beinamen "U-Boot" oder "Champignon" eingebracht.

Das Projekt eines nachhaltigen, innovativen und beispielhaften Viertels wurde auf  dieser Industriebrache im Südwesten von Esch an der Alzette geplant.

© Andrés Lejona

Die Umgestaltung der "Rout Lëns" zum Wohnviertel sieht die Aufwertung des Industrieerbes durch die Sanierung mehrerer Gebäude – darunter das Stellwerk – vor. Der Erhalt des Kulturerbes ist der Künstlerin sehr wichtig. Schon lange träumt sie davon, in einem Stellwerk eine Bar mit einer außergewöhnlichen Terrasse auf dem Dach zu errichten. Fortsetzung folgt bei dieser architektonischen und geselligen Empfehlung... 

"Giele Botter" - Naturkultur und lokale Gastronomie

Einer der Lieblingsorte im Süden von Nancy Braun, Generaldirektorin der Europäischen Kulturhauptstadt 2022, ist das "Giele Botter", ein ehemaliges Tagebaugelände bei Differdingen, durch das man wunderschöne Spaziergänge machen kann.

Gekennzeichnete Wanderwege führen durch dieses Naturschutzgebiet, das sich durch atemberaubende Panoramen auszeichnet, wo Sie beobachten können, wie sich die Natur diese Region im Lauf der letzten Jahre auf wunderbare Weise zurückerobert hat. Wegen der enormen Größe des Naturschutzgebiets empfiehlt Nancy Braun, sich Zeit zu lassen und sich von der außergewöhnlichen Atmosphäre des Geländes inspirieren zu lassen. "Die Vergangenheit und Zukunft machen das 'Giele Botter'  zu einem einzigartigen Ort, an dem man einen Augenblick das Leben um uns herum vergessen kann", sagt die Direktorin.

 Eine weitere Empfehlung: Genießen Sie nach Ihrem Spaziergang im Café-Restaurant "Bei der Giedel" ein kühles Bier, im Sommer auf der Terrasse oder im Winter in der herzlichen Atmosphäre im Innenraum. Die Küche bietet ausgezeichnete luxemburgische Spezialitäten und köstliche saisonale Gerichte

© Pulsa Pictures & ORT Sud

La Maison du Livre – eine gemütliche Bibliothek in einem soziokulturellen Zentrum

© Le Fonds Belval

Das Maison du Livre in Esch-Belval im ehemaligen Industriegebäude der Möllerei zwischen der Place de l’Académie und der Place des Hauts-Fourneaux ist ein für die Öffentlichkeit zugänglicher Ort der akademischen Forschung. Es gehört zur Cité des Sciences und dem soziokulturellen Zentrum, das auch das zukünftige nationale Zentrum der Industriekultur und das Nationalarchiv umfasst. Die Bibliothek schlägt eine Brücke zwischen der Universität und der luxemburgischen Bevölkerung, und nicht nur Architekturliebhaber sind von ihrem besonderen Design beeindruckt!

Olivier Toth, Generaldirektor der Rockhal, schätzt an diesem Ort besonders seine ganzen Vorzüge: offen für alle, hochvernetzt und in eine architektonische Mischung aus Moderne und Überresten der Vergangenheit integriert. Ein Highlight ist sicherlich der "Jardin du livre" ("Buchgarten") auf dem Dach des Gebäudes – ein Leseraum und ein ruhiger Platz unter freiem Himmel.