Die Handwerker starten in die Digitalisierung Die Digitalisierung stellt in den Handwerksberufen ein zentrales Thema dar.

Die Digitalisierung ist in vielen Handwerksberufen Realität geworden. Während sich einige ihren Alltag ohne digitale Tools nicht mehr vorstellen können, haben andere diesen Weg noch nicht beschritten.  

Die Digitalisierung ist dennoch von entscheidender Bedeutung und bietet zahlreiche Vorteile im Rahmen der Arbeitsprozesse und der Arbeitsorganisation eines Unternehmens. Eine im Jahr 2019 bei ihren Mitgliedern durchgeführte Umfrage der Handwerkskammer zeigt, dass viele Unternehmen - wenn auch noch zurückhaltend - auf Digitalisierung setzen. 

Die sozialen Netzwerke erleben einen Höhenflug

Auch wenn Handwerksunternehmen zunehmend digitale Kommunikationstools einsetzen, müssen weitere Anstrengungen unternommen werden. 76% der Handwerker besitzen eine Website. Dabei handelt es sich vor allem um Großunternehmen und Unternehmen aus dem Kommunikations- (89%) und Maschinenbausektor (81%), die ihre Dienstleistungen und Produkte im Netz anbieten. Auf den ersten Blick mag dies enorm erscheinen, aber gemäß den Feststellungen der Handwerkskammer im Rahmen ihrer Studie besteht noch ein gewisser Spielraum. Diese Zahlen haben sich nämlich seit 2017 nicht geändert, höchstens nach unten.

Die Anzahl der Websites hat zugunsten der sozialen Netzwerke, in denen Handwerker verstärkt Präsenz zeigen, in der Tat einen leichten Rückgang erfahren. Facebook wird mit 92% der Nutzer aus der Handwerksbranche am meisten in Anspruch genommen, gefolgt von Instagram und LinkedIn. Die Sektoren Nahrungsmittel (74%) und Mode, Gesundheit und Hygiene (73%) sind in den sozialen Netzwerken am stärksten vertreten.  

Laut einer Studie der Handwerkskammer aus dem Jahr 2019 bedienen sich die Handwerksunternehmen noch nicht genug der enormen Möglichkeiten, die ihnen die zahlreichen bestehenden digitalen Tools eigentlich bieten. Die Zahlen zeigen allerdings, dass die Anstrengungen der letzten beiden Jahre Früchte getragen haben.

Digitale Tools : es gibt noch Raum für Verbesserungen

Die Hälfte der Unternehmen nutzt in ihrem Alltag bereits mobile Apps. Diejenigen, die sie nutzen, tun dies jedoch zurückhaltend. Die Studie offenbart, dass sich die Handwerksunternehmen noch nicht der enormen Möglichkeiten bedienen, die ihnen die zahlreichen bestehenden digitalen Tools eigentlich bieten.

Viele Arbeitgeber unter den 1.053 Befragten finden sich noch nicht im Porträt des Handwerkers 4.0 wieder, und jeder strebt dabei scheinbar seinen eigenen Rhythmus an, da lediglich ein Drittel der Unternehmen einen Fernzugang, die digitale Erfassung von Zeitkonten ihrer Mitarbeiter oder die Ortsbestimmung ihrer Flotte und ihrer Geräte eingeführt haben. Die Anzahl ist noch geringer, was die digitale Verwaltung des Inventars (26%) und die Inbetriebnahme ihres Google My Business-Kontos (25%) anbelangt. Das papierlose Unternehmen ist noch weit entfernt, da nur ein Drittel der Unternehmen die elektronische Rechnungsstellung nutzt.

Während viele Unternehmen (84%) ihre Bankgeschäfte online tätigen, profitiert die überwiegende Mehrheit noch nicht vom staatlichen Online-Angebot auf guichet.lu (32%), was ihnen jedoch die Abwicklung zahlreicher virtueller Verwaltungsvorgänge ermöglichen würde.

Es bleibt noch viel zu tun

Im Vergleich zur Studie aus dem Jahr 2017 sind digitale Tools zwar zunehmend gängig geworden, haben sich aber kaum durchgesetzt. Gleiches gilt für digitale Produktionsprozesse (Maschinen mit digitaler Steuerung (CNC), 3D-Druck, Roboter usw.).

Ein Grund für diesen festgestellten Rückstand könnte der Mangel an digitalen Kompetenzen sein, die für einen Wandel im Unternehmen notwendig sind. Letztendlich geben lediglich 45% der Unternehmen (38% in 2017) an, über derartige Qualifikationen zu verfügen. Diese Zahl variiert vor allem in Abhängigkeit von der Größe des Unternehmens. 75% der Unternehmen mit mehr als 250 Arbeitnehmern geben an, diese Kompetenzen gewährleisten zu können. Die Kommunikationsbranche weist die besten digitalen Kompetenzen auf (67% der Unternehmen).

Die Kenntnisse der Unternehmen in Sachen Cybersicherheit und Datenschutz wurden in den letzten Jahren zwar deutlich ausgebaut, aber auch hier gilt es noch bedeutende Lücken zu schließen.

Die digitale Entwicklung macht auch vor dem Handwerk nicht halt. Im Bewusstsein dieser Herausforderung haben Handwerksunternehmen gegenüber den Vorjahren große Anstrengungen im Hinblick auf den digitalen Wandel unternommen. Ihre Fortschritte sind zwar noch zögerlich, aber die Bereitschaft zum Einsatz digitaler Tools im Alltag kommt voll und ganz zum Ausdruck.  

Wir haben drei Arbeitgeber kontaktiert, die den digitalen Wandel gewagt haben. Die unternommenen Anstrengungen tragen bereits Früchte.

Menuiserie Kraemer - die digitale Schreinerei

Während einige Unternehmen den Schritt in die Digitalisierung noch nicht gewagt haben, haben andere den digitalen Wandel in den letzten Jahren vorangetrieben. Die Menuiserie Kraemer ist eines dieser Unternehmen, die das digitale Zeitalter eingeläutet haben, wie es Patrick Elsen, Managing Partner, kundtut. 

Konkret hat die Digitalisierung in den Werkstätten der Schreinerei vor einigen Jahren begonnen. Dank der Digitalisierung in den Produktionsprozessen gewann das Unternehmen laut Patrick Elsen 20% an Effizienz und Produktivität. Die Fehlerquote ist deutlich geringer, da die Arbeiter von mehr Informationen profitieren, erklärt er.

Seitdem sich die Schreinerei der Digitalisierung in ihren Werkstätten geöffnet hat, sind alle Maschinen untereinander und mit einer Steuerungseinheit verbunden. Papier wurde durch Tablets ersetzt, und die Zuschnittanweisungen gelangen vom Schreibtisch viel schneller zur digital gesteuerten Maschine. "Vor dem digitalen Zeitalter war die Herstellung unserer Holzprodukte wie Türen, Treppen oder Möbel viel zeitaufwendiger", erklärt Patrick Elsen, "da die Pläne zunächst ausgedruckt und kodiert wurden, bevor deren Versand in die Werkstätten erfolgte".

Selbst auf Verwaltungsebene erlaubte die Digitalisierung die Optimierung der Organisation und Effizienz des Unternehmens.  

© Menuiserie Kraemer

Miroiterie Origer -

Seit einigen Jahren schon zählt Raoul Origer, Chef des gleichnamigen Fenster- und Glasbauunternehmens ,  Tablets und Roboter zu seinen Arbeitskollegen. Alles hat mit der Schaffung einer App begonnen, mit der er das Mitarbeitermanagement besser bewerkstelligen konnte: digitale Verwaltung der Zu- und Abgänge seiner Mitarbeiter, Nachverfolgung ihrer Tätigkeiten und Einräumung einer größeren Mobilität.  

Seit diesem Tag hat das Unternehmen, das im Wesentlichen Fenster, Fassaden und Türen herstellt, bei seinem digitalen Wandel tatsächlich einen Gang zugelegt, um allmählich den Weg zu einem papierlosen Unternehmen einzuschlagen. "Unser Ziel besteht darin, einen voll und ganz digitalen Produktionsprozess zu schaffen, von der Bestellung durch den Kunden bis hin zur Bezahlung", so das Credo des Chefs.

Die Abschaffung von Papier läuft in den Werkstätten bereits auf Hochtouren. Die Fabrikationspläne, Montageanweisungen und sonstigen Dokumente, die es zuvor im Papierformat gab, bestehen nunmehr nur noch in digitaler Form.

Die Digitalisierung hat sich ebenfalls in der Fertigungslinie durchgesetzt: die Entwicklung des Produkts, seine Herstellung sowie die Verbindungen zwischen den einzelnen Produktionsstationen sind digital. Ebenso wie bei der Fertigungskette für Automobile passieren die Holzteile zwischen 12 und 15 Etappen, bevor sie komplett montiert sind. Und in jeder Fabrikationsetappe kommen Touchscreens zum Einsatz, die die Arbeiter leiten, wobei sie ihnen die notwendigen Informationen für jedes mit einem Barcode versehene Einzelteil liefern.

Laut dem Chef des Fenster- und Glasbauunternehmens Origer wird die digitale Technologie ebenfalls zu 90% im Verwaltungswesen genutzt. Abgesehen von der finanziellen Investition, die er für beträchtlich hält, sieht Raoul Origer darin nur Vorteile. Für ihn ermöglicht die Digitalisierung mehr Transparenz, Optimierung auf Organisations- und Effizienzebene sowie eine erhöhte Produktionsgeschwindigkeit.

Und der Unternehmensleiter will es nicht dabei bewenden lassen. Um die Baustellen besser zu betreiben, werden sich auch die Montageteams mit der Digitalisierung anfreunden müssen. Neue Handwerker 4.0 kommen bereits nach.

In der Origer-Spiegelfabrik gehört der Touchscreen zum Alltag.
© Miroiterie Origer
Die Digitalisierung, insbesondere der Touchscreen, hat auch in der Montagelinie Einzug gehalten.
© Miroiterie Origer

Veiner Weissert

Für Gil Roger hat der digitale Wandel vor zwei Jahren mit dem Programm Fit 4 Digital begonnen. Lässt man die enormen Investitionskosten beiseite, ist er zufrieden, diesen Schritt gewagt zu haben. Für ihn ist die Digitalisierung keine Option mehr, sondern ein Muss für ein nachhaltiges Unternehmen.  "Für ein Unternehmen ist es entscheidend, den Weg der Digitalisierung zu gehen, wenn es überleben will", sagt er.  

Der digitale Wandel beginnt für ihn mit der Kommunikation mit seinem Personal. Der Zugang zu Leistungsbeschreibungen und Plänen von Architekten erfolgt ausschließlich unter Verwendung von Tablets. Gleiches gilt für Bestell- und Lieferscheine, die ausnahmslos digital ausgestellt werden.

"Es ist entscheidend für ein Unternehmen, sich auf den Weg der Digitalisierung zu begeben, wenn man überleben will" - Gil Roger, Geschäftsführer der Firma Veiner Weissert
© Veiner Weissert

Er versichert ebenfalls, dass das Personalmanagement stark von der Digitalisierung profitiert hat.  Die Organisation der Teams wurde so beispielsweise deutlich vereinfacht.

Vor der Digitalisierung kamen seine 16 Teams, die sich aus 35 Personen zusammensetzen, jeden Morgen in den Büros zusammen, bevor sie zu den Baustellen fuhren. "Heutzutage erfolgt die Planung der Baustellen auf den Tablets. Die Arbeiter fahren nur von ihrem Wohnsitz zur Baustelle und von dort aus wieder nach Hause zurück. Sie müssen nicht mehr ins Büro kommen, damit ich ihnen die zu erledigen Aufgaben mitteile. Ferner sehe ich, wer auf welcher Baustelle mit welcher Maschine unterwegs ist", erklärt er. 

Dass die Digitalisierung für Gil Robert einen wahren Glücksfall darstellt, ist auch auf  die Effizienz seiner ERP-Software (Entreprise Resource Planning) zurückzuführen. Alle Dokumente werden zentralisiert, die Vorgänge bis ins letzte Detail abgewickelt und jede Maßnahme ist leicht nachzuverfolgen. " Nichts geht verloren ", sagt er. Er fügt hinzu, dass der einzige Wermutstropfen seines Digitalisierungssystems die hohen Investitionskosten seien.

Die Kirsche auf seinem digitalen Kuchen sei jedoch das 3D Planungs- und Visualisierungsprogramm , auf das alle Handwerker der einzelnen Gewerke im Rahmen des Betriebs einer Baustelle Zugang hätten. Sanitärinstallateure, Elektriker, Schreiner, Maler und viele andere können ein komplett virtuelles schlüsselfertiges Projekt auf einem Tablet entwerfen, bevor sie es den Kunden präsentieren.