Top 5: Umweltbewusste innovative Projekte

Erderwärmung, Kohlendioxid-Emissionen, Überschwemmungen, Trockenheit, ... Die unseren Planeten bedrohenden Umweltgefahren haben zunehmend an Brisanz gewonnen. Glücklicherweise häufen sich jedoch auch umweltpolitische Verpflichtungen. In Luxemburg werden zahlreiche Vereinigungen immer erfinderischer, um umweltbewusste innovative Projekte anzubieten. Wir haben eine Auswahl von Initiativen aus dem Großherzogtum zusammengestellt, die sich in diesem Bereich engagieren. 

Das Äerdschëff: eine Ode an die Natur

Im Jahr 2019 wurde ein seltsames Gebäude in Redingen an der Attert aus dem Boden gestampft. Zwei Jahre lang haben Freiwillige aus allen Ländern Europas auf dieser Baustelle mitgearbeitet und Reifen, Dosen und Glasflaschen gestapelt, um ein ökologisches Gebäude zu errichten. Diese Architektur in Form eines Raumschiffs trägt den Namen Äerdschëff und gehört zur Familie der earthships.

Das Team hinter diesem Projekt, insbesondere das Center for Ecological Learning Luxembourg (CELL), hat sich vom amerikanischen Architekten Mike Reynolds inspirieren lassen, der Anhänger der ökologischen Architektur auf Basis recycelter Materialien ist und in den 1970er Jahren die berühmten Erdschiffe (earthships) in der Wüste von Neu-Mexiko konzipiert hat.  

Das Äerdschëff ist ein innovatives ökologisches Bauwerk, das neue Impulse in Bezug auf die Kreislaufwirtschaft gibt. Die Struktur trägt sich selbst und verwaltet ihre eigenen Ressourcen. Sie versorgt sich dank Fotovoltaik selbst mit Energie, für die Wasserversorgung wird Regenwasser aufgefangen, und das Heizen erfolgt über Lüftungssysteme. Also keine gepfefferten Stromrechnungen oder Supermarktgänge, da die Selbstversorgung mit Lebensmitteln im Gebäude ebenfalls sichergestellt ist.

Die mit Erde gefüllten und aufeinandergestapelten Reifen dienen als Mauern. Abgesehen von der runden Form dieses Gummischlauchs als Symbol für die Kreislaufwirtschaft kann der Reifen an sich Fragen bezüglich des ökologischen Fußabdrucks aufwerfen. Die Verantwortlichen des Äerdschëff-Projekts versichern jedoch: der Grund für die Verwendung von Reifen besteht darin, dass sie die wirtschaftlichsten Mittel darstellen, und sie beteuern, dass sie keinen Luftkontakt haben. Es würden demnach auch keinerlei Gase freigesetzt werden. Eine Studie über die Luftqualität aus dem Jahr 2016 in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Gesundheitslabor kam zu demselben Schluss.

Abgesehen davon, dass es sich um ein umweltverträgliches Bauwerk handelt, dient das Äerdschëff vor allem als Bildungsraum für das Erlernen, die Erforschung und das Unterrichten der Kreislaufwirtschaft, was jungen Leuten eine Berufsausbildung im Bereich der erneuerbaren Energien ermöglicht.

Das Ziel der Workshops besteht nicht nur darin, jungen Leuten die Probleme im Zusammenhang mit dem Klimawandel zu vermitteln, sondern auch in deren Bestärkung, Kompetenzen und mögliche Lösungen für unsere zerstörerische Lebensweise zu entwickeln, erläutern die CELL-Verantwortlichen.

Die Äerdschëff-Initiative wurde vom Nationalen Forschungsfonds im Rahmen des Programms Promoting Science to the Public (PSP) gefördert.

© Benjamin Klein
© Rodrigo Vergara

IAMBAG: die Handtasche aus Planen

Der Umweltschutz und die Bekämpfung der Verschwendung sind Themen, die beim Luxembourg City Tourist Office (LCTO) auf großes Interesse stießen. Mit seinem IAMBAG-Projekt hat das LCTO sogar zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Zur Förderung seiner wichtigsten Events wie beispielsweise "Rock um Knuedler", "MeYouZik" oder "Blues’n Jazz Rallye" hat das LCTO jeden Sommer Werbeplanen und -banner verwendet.

Nun aber wuchs der Bestand an diesen demontierten Werbematerialien von Jahr zu Jahr. Damit Letztere nicht einfach im Müll landen, hatten die Verantwortlichen des LCTO die Idee, diesen ehemaligen Planen ein zweites Leben einzuhauchen.  

Dies war die Geburtsstunde des IAMBAG-Projekts! Gemeinsam mit einer Kommunikationsagentur begann das Tourismusbüro mit der Herstellung von Taschen aus Bannern und Stoffen, die von ihren eigenen Events stammten, eine Initiative ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft.

Die aus diesem Projekt hervorgehenden Umhänge- und Handtaschen heben sich nicht nur durch ein nachhaltiges und einzigartiges Material ab, sondern tragen auch zur sozialen Eingliederung von arbeitsmarktfernen Menschen bei. Die Herstellung dieser Produkte wurde von der Kielener Atelier ATP a.s.b.l. (therapeutische und Behindertenwerkstätten) übernommen, die mit Menschen mit psychischen Erkrankungen arbeitet.

Wenn Sie originelle Accessoires lieben und eine gute Sache unterstützen möchten, ist die IAMBAG-Tasche wie für Sie gemacht!

© LCTO
© LCTO

Ein Becher für den Umweltschutz

Die besten Abfälle sind diejenigen, die gar nicht erst entstehen. Die Schöffen der Stadt Luxemburg haben ganz gewiss unter diesem Gesichtspunkt die Initiative "Cup2Go" zwecks Bekämpfung des "littering" auf die Beine gestellt. Die Gemeinde bietet ihren Einwohnern tatsächlich nunmehr an, einen Mehrwegbecher beim Kauf eines Heißgetränks zum Mitnehmen in die Stadt zu verwenden. Derzeit nehmen etwa fünfzig Lokale, die diesen Service anbieten, an dieser Aktion teil.

Der kleine Porzellanbecher ist praktisch, auslaufsicher und vor allem nachhaltig. Dank seiner Verwendung verzichten die Kunden auf Einwegbecher und reduzieren dabei die Entstehung von Abfällen. Die Käufer können zudem in den Genuss diverser Vorteile beim Erwerb ihrer Getränke gelangen, wie beispielsweise Rabatt beim Kauf eines Heißgetränks zum Mitnehmen, Stempeln auf ihrer Treuekarte oder aber kleine Geschenke (Keks, Kuchen usw.). Die teilnehmenden Lokale sind am Aufkleber "Cup2Go" in ihrem Schaufenster zu erkennen und werden auf einer interaktiven Karte, die auf cup2go.vdl.lu abrufbar ist, mit ihrem Standort, einem Foto des Geschäfts und der Belohnung, die sie ihren umweltbewussten Kunden anbieten, gelistet.

Die interaktive Karte kann auch über die cityapp-VDL und auf cityshopping.lu abgerufen werden. 

© Ville de Luxembourg_Tom Jungbluth

EcoLabel: für einen verantwortungsvollen Tourismus

Zugegebenermaßen ist es nicht immer einfach, sich im Dschungel der Labels für nachhaltigen Tourismus zurechtzufinden. Im Großherzogtum vermittelt vor allem das EcoLabel für touristische Betriebe ein klares Bild vom engagierten ökologischen Tourismus. Sein Ziel besteht darin, die Herbergsbetriebe in Luxemburg, die schonend im Hinblick auf Umwelt und Klima arbeiten, auszuzeichnen.

Die Unterkünfte, die dazugehören möchten, müssen recht strenge Kriterien erfüllen. Die Strukturen, die mit dem EcoLabel ausgezeichnet werden möchten, müssen Sparmaßnahmen in den Bereichen Energie, Wasser und Abfall ergreifen, die sich auf die Reduzierung der Umweltverschmutzung auswirken. Sie müssen sich durch ein Angebot an frischen, regionalen, biologischen und fair gehandelten Produkten ebenfalls von anderen Betrieben abheben. Diese Unterkünfte bürgen ebenfalls für die Verbesserung ihrer Umweltleistungen mittels einer optimaleren Abfallwirtschaft sowie einem effizienteren Management bei Reinigungsprodukten und -methoden.

Inhaber des EcoLabels sind vorwiegend Hotels, Campingplätze, Jugendherbergen, Gruppenunterkünfte und Ferienunterkünfte auf dem Land. Anträge auf Erteilung des Labels müssen beim OekoZenter Lëtzebuerg gestellt werden. Das Zentrum führt eine eingehende Untersuchung in den Bereichen Energie, Wasser, Abfälle, Umweltmanagement und Versorgung durch, wobei die erfüllten Kriterien und die verbesserungswürdigen Punkte aufgezeigt werden.  Diese Untersuchung ermöglicht den Bewerbern ihre Vorbereitung auf das Zertifizierungsaudit.

Werden alle Kriterien erfüllt, wird der Betrieb von der Generaldirektion für Tourismus in Zusammenarbeit mit der Umweltabteilung mit dem Label ausgezeichnet. Die Bewerbung für den Erhalt des Labels ist freiwillig und betrifft Betriebe mit Übernachtungsmöglichkeit.

Das EcoLabel wird in Form einer Urkunde und einer Plakette zur Anbringung an einer für Kunden gut sichtbaren Stelle vergeben. Es ist drei Jahre lang gültig.

Green Events oder wie umweltbewusste Veranstaltungen zu organisieren sind

Egal, ob es sich um ein Musikfestival, eine Sportveranstaltung, eine Kirmes oder eine Ausstellung im Innen- oder Außenbereich handelt, haben Events mit einem großen Publikum häufig Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima. Für diese großen Menschenansammlungen wird viel Energie benötigt, sei es für Heizung, Küche oder Beleuchtung, und die Veranstalter sowie die Gäste bzw. das Publikum sind gleichwohl verpflichtet, sich zum Veranstaltungsort zu begeben oder dort zu essen und zu trinken. Folglich entstehen Abfälle.

Nun aber sind diese Events ideale Anlässe, um Menschen für ein umweltbewusstes Verhalten zu sensibilisieren. Vor diesem Hintergrund und im Bemühen um eine Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks hat die luxemburgische Regierung in Zusammenarbeit mit dem Oekozenter Pafendall und der SuperDrecksKëscht das Projekt "Green Events" auf die Beine gestellt.

Das Ziel dieser Initiative, die sich vorwiegend an Vereinigungen, Gemeinden, Verbände, Vereine, Clubs, ja sogar an regionale Tourismusbüros und Naturparks richtet, besteht in der Sensibilisierung für die derzeitigen Themen der nachhaltigen Entwicklung und dem gleichzeitigen Versuch, die negativen Auswirkungen auf die Umwelt und die Einwohner zu mindern.

Zwecks Unterstützung der Veranstalter, die sich zu einem nachhaltigen Ansatz verpflichten, begleiten das Oekozenter Pafendall oder die SuperDrecksKëscht Erstere professionell, wenn sie ihre Events umweltverträglicher angehen möchten. Auf der Internetplattform greenevents.lu finden Interessenten allgemeine Informationen, Empfehlungen und nützliche Adressen. Interaktive Workshops oder maßgeschneiderte individuelle Beratungen ermöglichen einen direkten Austausch mit den Veranstaltern.   

Über die Unterstützung hinaus wird den Teilnehmern, die sich zur Organisation von verantwortungsvollen und solidarischen Events verpflichten, als Belohnung für ihre Bemühungen ein Logo verliehen. Ein Veranstalter, der alle obligatorischen Kriterien für ein bestimmtes Event erfüllt, wird mit dem Logo "Green Events" ausgezeichnet und kann in den Genuss einer finanziellen Unterstützung gelangen. Veranstalter, die zwar nicht alle obligatorischen Kriterien erfüllen, aber zumindest den Anforderungen der Hälfte der Kriterien genügen, erhalten das Logo "Mir engagéieren eis".

© Gemeng Suessem

Ech kafe clever: umweltbewusster Schuljahresbeginn

© EBL

Jeder Schuljahresbeginn ist mit einer endlosen Liste von Schulmaterialien verbunden. Und dann hat man das Vergnügen, die Schulranzen mit Heften, Filzstiften, Radiergummis, Linealen oder Korrekturhilfsmitteln in sämtlichen Farben zu füllen. Diese Aufgabe kann nun aber auch umweltbewusst gestaltet werden, das heißt, der Ranzen wird mit nachhaltigen und recycelten Materialien, die zudem frei von chemischen Inhaltsstoffen sind, bestückt. Hier kommt die Initiative "Ech kafe clever" zum Tragen. Mit dieser Initiative werden Eltern unterstützt, die den Ranzen mehr Umweltfreundlichkeit einhauchen möchten. Das Ziel besteht somit darin, die Eltern dabei zu unterstützen, wirklich umweltverträglichen und nachhaltigen Schulbedarf zu finden.

Was diese Initiative einzigartig in Europa macht, ist die Tatsache, dass sie ebenfalls gesundheitlichen Kriterien Rechnung trägt. Denn zu häufig werden Ranzen nicht nur mit neuen, wegwerfbaren oder Plastikmaterialien befüllt, sondern meistens sind auch chemische Stoffe zu finden. Denken wir beispielsweise an Kleber, der giftige Lösungsmittel beinhaltet, duftende Filzstifte oder sogar einfache Stifte, die man häufig einfach in den Mund steckt. Sind die Produkte schädlich, empfiehlt sie die Initiative selbstverständlich nicht. Produkte, die nach Analysen als nicht umweltschädlich eingestuft werden, finden sich hingegen in Geschäften mit dem Logo "Clever akafen" wieder.

Die Initiative "Ech kafe clever" hat viel Einfluss und ist auch in der Arbeitswelt vertreten. Bei den ganzen kleinen Dingen, die wir tagtäglich in unseren Büros nutzen, wird zunehmend auf Grün gesetzt. Diese Materialien sollen nicht nur unschädlich für den Nutzer sein, sondern auch keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt haben. Daher wird der Bürobedarf ebenfalls in die Kampagne "Ech kafe clever" einbezogen, um für die Angestellten gesundheitliche und umweltbewusste Kriterien zu gewährleisten.

Die Kampagne "Ech kafe clever" wurde vor einigen Jahren von der Ëmweltberodung Lëtzebuerg, der SuperDrecksKëscht, Greenpeace, dem Ministerium für Umwelt, Klima und nachhaltige Entwicklung  und dem Ministerium für Bildung eingeführt.