Interview mit Laura Thorn

Mit ihrem Song "La poupée monte le son", einer Hommage an France Galls "Poupée de cire, poupée de son", geht Laura Thorn 2025 beim ESC in Basel an den Start.
© Dani Reuter / LSC

Laura Thorn ist eine luxemburgische Sängerin und Musikdozentin am Escher Conservatoire. Am 25. Januar 2025 konnte Sie mit ihrem modernem Pop-Sound die Jury und das Publikum beim Luxembourg Song Contest von sich überzeugen. Im Mai wird sie das Großherzogtum mit ihrem Song "La poupée monte le son" beim Eurovision Song Contest in Basel (Schweiz) vertreten.

Du hast den Luxembourg Song Contest 2025 gewonnen und wirst Luxemburg im Mai beim Eurovision Song Contest in Basel vertreten. Wie hast du deinen Sieg beim LSC und die letzten Wochen erlebt?

Ich habe vor kurzem angefangen am Konservatorium in Esch zu arbeiten. Für mich war mein Weg also bereits klar. Ich wollte dort meine Karriere beginnenAls ich dann den LSC gewonnen habe, habe ich in dem Moment selbst tatsächlich etwas komisch reagiert, weil ich einfach überfordert war. Plötzlich kamen so viele Fragen auf. Ich hatte mir überhaupt nicht vorgestellt, gewinnen zu können. Ich hatte einfach mir keine großen Gedanken darüber gemacht. . Und als dann verkündet wurde: "Du hast gewonnen", dachte ich: "Oh Gott, was passiert jetzt?" In dem Moment konnte ich auch nicht wirklich realisieren, was eigentlich alles um mich herum passierte. Es war total überwältigend!

Danach war erst einmal zwei Wochen Ruhe. Das war dann auch ein bisschen seltsam für mich, denn davor hatte ich diese ganz intensive Zeit vor dem LSC in der Rockhal, wo ich von morgens bis abends nur geprobt habe. Es tat aber auch gut, einmal durchzuatmen. Ich habe zwei Tage nach dem LSC wieder ganz normal angefangen zu arbeiten. Mein Leben ging also ganz normal weiter. Und dann, vor ein paar Wochen ging es dann richtig los. Seitdem hatte ich keine Pause mehr. Wir waren schon für Dreharbeiten in der Schweiz und in Paris, um den Song neu aufzunehmen. Auch hier in Luxemburg folgte ein Termin dem anderen. Es war anstrengend in den letzten Wochen, aber gleichzeitig auch sehr cool. Ich habe einfach unglaublich viele Erfahrungen gesammelt.

Und wie haben deine Schüler und das Conservatoire darauf reagiert?

Die sind total begeistert. Ich muss sagen, ich kann mich wirklich glücklich schätzen, dass das gesamte Konservatorium hinter mir steht. Das ist nämlich nicht selbstverständlich. Natürlich, ich habe in den letzten Wochen nicht gefehlt, aber wegen des ESC werde ich im Mai zwei Wochen am Stück nicht da sein. Und ich war auch eine ganze Woche für den LSC nicht da. Aber die gesamte Schulleitung und alle Kollegen unterstützen mich. Mein Direktor war sogar beim LSC in der Rockhal dabei, und er war wirklich mein größter Fan (lacht). Ich kann mich also wirklich glücklich schätzen, dass ich diese volle Unterstützung habe. Auch von meinen Schülern und ihren Eltern – einfach großartig!

Die nächsten Wochen und Monate, besonders die Zeit in Basel, werden bestimmt sehr intensiv. Wie bereitest du dich auf das Halbfinale in Basel vor?

In meinem Alltag hat sich gar nicht so viel verändert, weil ich auch schon vor der ganzen LSC/ESC-Reise einen gesunden Lebensstil hatte. Ich mache viel Sport, ernähre mich gesund. Und das ist extrem wichtig, denn als Sänger ist dein Körper dein Instrument. Ich mache jeden Morgen Sport. Ich mache allerdings jetzt viel mehr Cardio. Ich habe das anfangs total unterschätzt. Ich dachte mir: "Du singst schon lange, du tanzt schon lange, dann machst du halt beides zusammen, das wird schon." Aber das ist gar nicht so einfach, wie man denkt. Denn wenn man all diese Bewegungen machen muss und nicht regelmäßig durchatmen kann, wird man sehr schnell müde. Das habe ich beim LSC gemerkt (lacht). Ich singe mein Lied, während ich laufe oder Jumping Jacks mache. Ansonsten achte ich weiterhin auf eine gesunde Ernährung. Und wenn ich keinen Unterricht habe oder Interviews gebe, versuche ich so wenig wie möglich zu sprechen und meine Stimme zu schonen.

La poupée monte le son – die Puppe dreht den Ton auf: sie hat eine eigene Stärke und braucht niemanden mehr um sich.

Du nimmst mit dem Lied "La poupée monte le son" teil, eine Hommage an das ESC-Lied von France Gall "Poupée de Cire, Poupée de Son" aus dem Jahr 1965. Kannst du uns erklären, worum es in deinem Lied geht?

Das Lied zeigt die Entwicklung der Poupée seit dem Moment, in dem France Gall gewonnen hat. Und jetzt muss die Puppe nicht mehr von außen kontrolliert werden, sie kann jetzt selbst handeln und entscheiden. "La poupée monte le son" – die Puppe dreht den Ton auf: sie hat eine eigene Stärke und braucht niemanden mehr um sich. Das ist die Botschaft.

Der ESC ist ein großes Event, das Länder und Kulturen verbindet, und auf der anderen Seite ist es natürlich auch ein Wettbewerb. Hast du schon die Gelegenheit gehabt, die Lieder der anderen Teilnehmer zu entdecken? Gibt es eventuell Lieder, die dir besonders gefallen?

Ja, also tatsächlich habe ich nicht alle gehört, aber ich habe ein einige gehört. Jeden zweiten Tag kommt ein neues Lied raus, deshalb habe ich Schwierigkeiten am Ball zu bleiben. Ich muss sagen, wer mir total gefällt, ist Griechenland. Der Song ist top, die Interpretin singt unglaublich gut. Es ist ein wunderschönes Lied, aber auch ein schwieriges. Malta mag ich auch. Die polarisieren ja gerade ein bisschen mit ihrem Titel. Aber ich finde das Lied cool. Ich mag die Stimmung, ein bisschen Elektro und Dance. Espresso Macchiato aus Estland höre ich seit ein paar Tagen. Am Anfang war ich kein Fan von dem Lied, aber jetzt merke ich, dass ich es ständig singe und höre. Es wird zu einer Art Guilty Pleasure. Griechenland und Malta sind aber momentan meine Favoriten. Und Estland ist auf jeden Fall die ganze Zeit in meinem Kopf (lacht).

Der Eurovision ist ja nicht nur bekannt für die Musik an sich, sondern auch für seine spektakulären und zum Teil aufwändigen Performances. Darfst du schon verraten, was du vorbereitest?

Nein, noch gar nicht. Aber natürlich darf ich sagen, dass wir die Show anpassen mussten. Allein schon aus logistischen Gründen. Die Bühne ist ja überhaupt nicht die gleiche. Sie hat ein ganz spezielles Format. Es gibt einen langen Catwalk in T-Form. Es ist also nicht einfach eine normale Bühne, man muss mit dem Raum spielen und die verschiedenen Bereiche irgendwie nutzen. Wir mussten die Performance und die Choreografie ganz klar anpassen, um die Bereiche in Szene zu setzen. Man muss ja auch den Überraschungseffekt beibehalten. Es soll nicht genau das gleiche sein wie beim LSC.

© Steve Müller / LSC
© Steve Müller / LSC

Was bedeutet es für dich, dass du Luxemburg beim ESC repräsentierst? Ist das etwas, das du schon immer machen wolltest?

Für mich ist es eine riesige Ehre, mein Land zu repräsentieren. Ich bin Luxemburgerin, ich bin hier geboren, ich bin hier zur Schule gegangen, meine Familie ist hier, meine Freunde sind hier. Hier habe ich Freunde fürs Leben kennengelernt. Nach meinem Studium wohne ich jetzt auch wieder hier.

Es ist auch etwas, das ich mir schon immer gewünscht habe. Nicht konkret in der Form des ESC, aber ich hatte immer schon den Traum, auf einer großen Bühne zu stehen und so eine riesige Erfahrung zu machen. Ich wusste allerdings nie, in welcher Form ich das erleben würde. Ich hatte mich auch bei „The Voice“ beworben, und Tapes eingeschickt, um Musicals zu machen. Ich wollte also schon immer etwas machen und schlussendlich ist es der ESC geworden. Und das ist das Größte, was es überhaupt hätte werden können. Mega! In diesem Sinne ist es definitiv ein Traum, der für mich in Erfüllung geht.

Erzähl uns ein bisschen, wie es dazu kam, dass du dich für den Contest beworben hast.

Eigentlich wollte ich mich für diese Ausgabe nicht direkt bewerben. Tatsächlich hatte ich mich für die Ausgabe letztes Jahr beworben und dafür ein Lied eingeschickt, aber das hat nicht geklappt. Und dieses Mal wollte ich mich nicht mehr bewerben, weil ich gerade angefangen hatte zu arbeiten und meinen Fokus darauf legen wollte. Und dann wurde ich im Juni von den Songwritern kontaktiert, die das Lied geschrieben haben. Das Lied war schon fertig und sie haben eine Interpretin in Luxemburg gesucht. Sie sind dann auf mich zugekommen und haben mich gefragt ob ich Interesse daran hätte. Und in so einem Moment sagt man nicht Nein. Wenn einem so etwas einfach in den Schoss fällt, dann passiert das auch nicht umsonst. Das ist ein Zeichen! Also habe ich gesagt „Okay, komm, du wirst eh nicht weit kommen.“ Deshalb war ich so verwirrt, als ich als Gewinnerin verkündet wurde. Tatsächlich kam das also alles ein bisschen von selbst in meine Richtung.

Wie sind die Songwriter auf dich zugekommen? Hast du sie gekannt?

Ich kannte die Songwriter überhaupt nicht. Die Anfrage per Textnachricht kam von einem totalen Fremden. Sie sind über meinen früheren Gesangslehrer in Namur auf mich gekommen. Ich habe dort fünf Jahre studiert, die ersten drei Jahre hatte ich einen Gesangslehrer, der nach Paris gezogen ist, weil er eine Rolle im Musical Starmania bekommen hat. Dort hat er natürlich viele Leute aus der Musikszene kennengelernt. Eben auch die Songwriter. Und weil er in Namur Unterricht gegeben hat, was ja nicht weit von Luxemburg entfernt ist, haben sie ihn gefragt, ob er zufällig jemanden in Luxemburg kennt. Und er hat ihnen gesagt „Ja, ich hatte eine Schülerin, die lebt in Luxemburg, Laura Thorn, hier ist ihre Nummer.“ Und so sind sie auf mich gekommen. Verrückt!

Und in so einem Moment sagt man nicht Nein. Wenn einem so etwas einfach in den Schoss fällt, dann passiert das auch nicht umsonst. Das ist ein Zeichen!

Kannst du uns ein bisschen mehr über deinen musikalischen Werdegang erzählen? Bist du von klein auf mit Musik aufgewachsen?

Ich habe als ich klein war immer gesungen, ganz klar. Aber ich habe auch sehr früh mit Musikunterricht angefangen. Das jüngste Alter, in dem man sich damals im Conservatoire anmelden konnte, war mit acht Jahren. Also bin ich direkt mit Acht in den Solfège-Unterricht gegangen und habe dann im nächsten Jahr mit meinem ersten Instrument angefangen, dem Klavier. Und dann hat sich immer mehr angesammelt. Ich habe ein zweites Instrument gelernt, das Cello, und noch hunderttausend Nebenfächer belegt. Von Kindermusik bis Harmonie, Kontrapunkt und Chorleitung. Alle Kurse, die man sich vorstellen kann. Im Gymnasium habe ich auch Musik gewählt. Also nur Musik, in der Schule, als Hobby, die ganze Zeit. Und als ich das Abi in der Tasche hatte, bin ich nach Namur gegangen und habe dort mein Musikstudium angefangen. Ich habe einen doppelten Master in Popgesang, also modernem Gesang, und Musiktheorie/Pädagogik gemacht. Und von dort aus bin ich zurück ans Conservatoire gegangen. Diesmal von der anderen Seite, was am Anfang auch witzig war. Es hat also eigentlich nie aufgehört. Aber besser hätte es für mich nicht laufen können.

Du gibst also Kurse am Escher Conservatoire und arbeitest dort unter anderem mit vielen jungen Leuten zusammen, die noch ganz am Anfang stehen. Was würdest du jungen Musikern raten, die gerade anfangen und den Wunsch haben, professionell Musik zu machen und vielleicht auch den Traum haben, eines Tages am ESC teilzunehmen?

Also ich würde definitiv sagen, jeder soll seinen Träumen folgen. Das ist super wichtig. Aber manchmal hat man den Traum professionell Musik zu machen, und hängt dann irgendwann nicht mehr so sehr daran. Aber man sagt sich "Es war immer mein Wunsch, also mache ich weiter." Deshalb sage ich, man soll immer auf sein Bauchgefühl hören. Ich wollte nämlich immer Klavier studieren und habe mich im letzten Moment anders entschieden, weil ich eigentlich lieber singen wollte. Manchmal denkt man es wäre zu kompliziert, in eine andere Richtung zu gehen. Aber das ist egal! Wenn man schon so eine Gefühl hat, sollte man diesem auch folgen. Hätte ich Klavier studiert, wäre ich jetzt nicht hier. Deshalb: setzt immer auf euer Bauchgefühl, es hat meistens recht. Und probiert alle möglichen Dinge aus. Ich habe von klein an versucht, so viele Kurse wie möglich am Conservatoire zu machen. Ich habe nicht unbedingt gern Kontrapunkt und Harmonie als Fächer belegt, aber ich habe mir immer gedacht "Das ist etwas, das ich später vorzeigen kann. Das wird mir helfen." Deshalb versucht, so viel wie möglich zu machen und so viele Richtungen wie möglich auszuprobieren. Das beeindruckt die Menschen und es ist einfach auch gut, wenn man eine solide Basis in der Musik hat. Deshalb: Il ne faut pas lâcher – nie locker lassen!

Sie wollen Laura Thorn beim Eurovision Song Contest unterstützen? Auf der offiziellen Website des ESC 2025 finden Sie Informationen darüber, wie Sie abstimmen können. Schalten Sie ein für das ESC-Halbfinale am 15. Mai und die große Final-Show am 17. Mai 2025 in Basel, Schweiz!

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