Nationalhymne Fünf Musiker verraten ihre Verbundenheit mit der Nationalhymne

Die "Heemecht" ist die Nationalhymne Luxemburgs. Sie ist mehr als nur ein Lied, sie symbolisiert das Großherzogtum, die Identität seiner Menschen und ihr Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Nation.

"Wou d'Uelzecht durech d'Wisen zéit, Duerch d'Fielsen d'Sauer brëcht." Mit diesen Worten beginnt unsere Nationalhymne "Ons Heemecht" (Unser Vaterland). 1859 von dem Dichter Michel Lentz geschrieben und von Jean-Antoine Zinnen vertont, wurde sie 1864 von vier Chorsängern bei einem Blasmusikwettbewerb in Ettelbruck erstmals öffentlich aufgeführt.

Die offizielle Version besteht nur aus der ersten und letzten Strophe. Heute begleitet die Nationalhymne die meisten öffentlichen, staatlichen und sportlichen Veranstaltungen. Die "Heemecht" ist mehr als nur ein Lied, sie hat eine politische Bedeutung, denn sie symbolisiert, genau wie das Staatswappen und die Flagge, das Großherzogtum Luxemburg. Die Nationalhymne ist einzigartig und ist ein integraler Bestandteil des Landes. 

Anlässlich der Feierlichkeiten zum Geburtstag des Großherzogs am 23. Juni spielt die "Heemecht" eine besonders wichtige Rolle, um dem Volk ein tiefes Gefühl der Identität und Zugehörigkeit zu vermitteln. 

Da es vor allem Musiker sind, die Brücken zwischen der Musik und ihrem Publikum schlagen, wollten wir ihre Verbundenheit mit unserer Nationalhymne erfahren und wissen, was ihre Lieblingsstrophen oder -texte sind und wie sie diese kommentieren. Hier sind ihre Antworten. 

Serge Tonnar, Musiker und Komponist

"Looss viru blénken d'Fräiheetssonn,
Déi mir sou laang gesinn!"

"Die Freiheitssonne, unsre Zier,
Laß leuchten fernerhin!"

© ed.binsfled/huot

 

"In dieser Zeile spricht mich vor allem die "Sonne der Freiheit" an. Die Freiheit ist das Thema vieler luxemburgischer patriotischer Lieder des 19. Jahrhunderts, ein Ideal, mit dem ich mich auch heute noch identifizieren kann. Im Gegensatz zu den falschen Patrioten von heute, die die Gesellschaft spalten wollen, geht es hier um den Zusammenhalt durch einen großen gemeinsamen Wert. Und wir müssen jeden Tag für die Freiheit kämpfen, auch wenn sie heute von anderen Gefahren bedroht ist als zu Michel Lentz' Zeiten."

Claire Parsons, Musikerin und Komponistin

"Gesank, Gesank vu Bierg an Dall
Der Äärd, déi äis gedron;  
'Léift huet en treie Widderhall
A jidder Broschts gedon" 

"Gesang, Gesang, von Berg und Tal
Die Erd', die uns getragen,
Die Lieb' hat einen treuen Widerhall
In jeder Brust getan."

© Lynn Theisen

 

"...sehr schön, weil ich Musiker bin und auch, weil der Satz die Bedeutung von der Musik in der Gesellschaft widerspiegelt. Der Gesang ist also dazu da, uns in guten wie in schwierigen Zeiten Hoffnung zu geben. Ob der Gesang von der Natur kommt oder von Menschen, die tief mit ihr verbunden sind, wir hören aufeinander und harmonieren."

Daniel Balthasar, Musiker und Komponist

“De fräie Geescht”
“Looss viru blénken d’Fräiheetssonn” 

"Den freiheitlichen Sinn,
Die Freiheitssonne, unsre Zier,"

© Véronique Kolber

 

"Ich bin kein besonders patriotischer oder religiöser Mensch. Dennoch haben die Zeilen "De fräie Geescht" und "Looss viru blénken d'Fräiheetssonn" für mich eine tiefere Bedeutung, die mich direkt anspricht. Die Tatsache, dass ich in einem Land und in einer Zeit geboren wurde, in der jeder seine Ideen frei äußern kann, ohne um sein Leben fürchten zu müssen, ist keine Selbstverständlichkeit. Daran erinnert uns unsere Nationalhymne."

Sascha Ley, Sängerin, Komponistin, Produzentin

"Wou d’Uelzecht durech d’Wisen zéit,
Duerch d’Fielsen d’Sauer brécht,
Wou d’Rief laanscht d’Musel dofteg bléit,
Den Himmel Wäin ons mecht…"

"Wo die Alzette durch die Wiesen zieht,
Durch die Felsen die Sauer bricht,
Die Rebe längs der Mosel blüht,
Der Himmel Wein verspricht:"

© Lynn Theisen

 

"Ich kenne keine Hymnen auswendig, und statt an 'meine' Heimat zu denken, sehe ich mich in der ganzen Welt unterwegs. Die Welt wäre mein ideales Zuhause. Ich liebe unser schönes multikulturelles Land, aber als potenzieller Nomade kommen meine Gedanken kaum an das Thema Nationalismus heran. Deshalb ist die Beschreibung der Natur in diesem Vers für mich lieb, beschaulich und völlig harmlos."

David Ianni, Pianist, Komponist

„O Du do uewen, dem seng Hand…“ 

"O Du dort droben, dessen Hand"

© Morris Kemp

 

"Je älter ich werde, desto weniger weiß ich zu sagen, wessen "Hand" "da oben" ist. Was ist diese unendliche, unergründliche Kraft? Aber mein ganzes Leben lang hat mich die tiefe Gewissheit begleitet, dass diese Hand mich trägt, beschützt, auffängt, immer wieder hochhebt. Ich fühle, dass die unendliche Liebe, die "durch die Welt der Nationen" ("duerch d'Welt d'Natioune") fließt, durch alles fließt, wenn wir unsere Augen (unseres Herzens) öffnen. Aus der Dankbarkeit für eine geografische Heimat erwächst ein Gefühl der Zusammengehörigkeit mit ALLEM Leben: wir sind ALLE Brüder und Schwestern auf diesem kleinen Planeten." 

Ons Heemecht (original)

Wou d'Uelzecht durech d'Wisen zéit,
Duerch d'Fielsen d'Sauer brëcht.
Wou d'Rief laanscht d'Musel dofteg bléit,
Den Himmel Wäin ons mëcht.
Dat as onst Land, fir dat mir géif,
Heinidden alles won.
Ons Heemechtsland, dat mir sou déif
An onsen Hierzer dron.

O Du do uewen, deem séng Hand
Duurch d'Welt d'Natioune leet.
Behitt Du d'Lëtzebuerger Land
Vru friemem Joch a Leed!
Du hues ons all als Kanner schon
de fräie Geescht jo gin.
Looss viru blénken d'Fräiheetssonn
déi mir sou laang gesin.

Unser Heimatland 

Wo die Alzette durch die Wiesen zieht,
Durch die Felsen die Sauer bricht,
Die Rebe längs der Mosel blüht,
Der Himmel Wein verspricht:
Dort ist das Land, für dessen Ehr
Kein Opfer uns zu schwer,
Die Heimat, die als teures Gut
In unseren Herzen ruht.

O Du dort droben, dessen Hand
Den Völkern gibt Geleit,
Behüt das Luxemburger Land
Vor fremdem Joch, vor Leid!
Als Kind empfingen wir von Dir
Den freiheitlichen Sinn,
Die Freiheitssonne, unsre Zier,
Laß leuchten fernerhin!

(Traduction: Joseph Groben)