Die Erzeugung nachhaltiger Weine Erfahren Sie, wie die luxemburgischen Winzer auf nachhaltige Weinherstellung umstellen

Luxemburger Weine und Schaumweine genießen weit über die Grenzen des Großherzogtums hinaus einen hervorragenden Ruf, der auf einer Jahrtausende alten Tradition der Weinherstellung beruht. In Luxemburg gibt es in dieser Tradition nun einen Paradigmenwechsel im Anbau der Trauben; die beiden Konzepte des nachhaltigen und biologischen Weinbaus sind heutzutage sehr beliebt und haben einige bahnbrechende Entwicklungen in den luxemburgischen Weinbergen herbeigeführt. Und die Ergebnisse sind vielversprechend.

Nachhaltige Weinherstellung in Luxemburg

Luxemburg hat bei der Einführung des nachhaltigen Weinbaus große Fortschritte gemacht. Es war das erste Land, das den Einsatz des kontroversen Herbizids Glyphosat offiziell verboten hat. Zudem wurden zahlreiche weitere Chemikalien, die zum Düngen und für den Schutz vor parasitären Pilzen und Insekten eingesetzt wurden, durch biologische, mechanische und natürliche Mittel ersetzt. Das Ergebnis: gesunde Reben und eine perfekte Grundlage für die hochwertigen Weine, für die Luxemburg bekannt ist.

Wie gehen die Winzer in Luxemburg mit der Herausforderung der Nachhaltigkeit um?

"Viele Winzer setzen bereits Methoden aus der biologischen Weinherstellung ein ", sagt Serge Fischer, Direktor der Abteilung für Weinbau beim luxemburgischen Weinbauinstitut (Institut viti-vinicole, IVV). "Die luxemburgischen Gesetzgeber stellen Mittel für eine teilweise Umstellung eines Weinguts bereit, um mit der biologischen Weinherstellung zu beginnen. So können Winzer die Risiken über mehrere Jahre verteilen", fügt er hinzu und deutet damit an, dass die Umstellung nicht frei von Risiken ist.

Bessere Weine durch biologische Methoden

Zu den Risiken zählen vor allem die verschiedenen Pilze, die Trauben vor der Ernte verfaulen lassen und den Weinberg stark beschädigen können. Dieses Risiko hat das Weinbauinstitut bereits im Blick:

"Der Schutz der Reben vor Pilzen und Insekten ist eine Säule des nachhaltigen Weingutmanagements. Der Einsatz synthetischer Pflanzenschutzmittel ist verboten: diese Strategie beruht im Grunde auf dem Einsatz von Produkten natürlichen Ursprungs", erklärt Serge Fischer.

Diese Behälter enthalten die Pheromone, die chemische Insektizide ersetzen.
© IVV
In Luxemburgs Weinen steckt viel mehr Bio, als Sie vielleicht vermuten.
© MA

Aber das IVV nimmt nicht nur Pilze ins Visier – bestimmte Insektenarten sind ebenfalls schädlich für Reben und Trauben und können Luxemburgs Winzer ins Verderben stürzen, wenn nichts gegen sie unternommen wird.

Besonders der Traubenwickler ist der Erzfeind eines jeden Winzers. Dieses kleine Insekt bohrt sich in die Trauben und hinterlässt kleine Öffnungen an der Traubenoberfläche, durch die Fäulnis eindringen kann. Um seine Verbreitung einzugrenzen, stiftet das IVV sexuelle Verwirrung, die Serge Fischer so erklärt: "Sexuelle Verwirrung erreicht man durch synthetische Pheromone, die den hormonellen Duft weiblicher Schmetterlinge nachahmen.. So sättigt man einen Bereich mit weiblichen Pheromonen, in dem es für die Männchen schwieriger ist, Weibchen für die Paarung zu finden. Dies schränkt die Eierproduktion und somit die Menge an Raupen ein."

Luxemburgs Weinbauregion ist die erste, in der diese Strategie in großem Maßstab eingesetzt wird. Überall in den Weinbergen helfen die kleinen rotbraunen Behälter den Winzern dabei, die Qualität, für die sie berühmt sind, zu erreichen. Das Ergebnis sind weniger chemische Wirkstoffe in den Reben und auf den Trauben, und somit letztendlich im Wein. Serge Fischer geht sogar so weit, zu behaupten, dass diese Strategie alle Insektizide, die vorher eingesetzt werden mussten, ersetzen kann.

Das IVV übernimmt Verantwortung

Und das IVV geht mit gutem Beispiel voran, wie Serge Fischer erklärt: "Die Weinberge des IVV werden biologisch geführt. Zudem haben wir einen großen Test mit Rebsorten gestartet, die von Natur aus resistent gegen Pilzkrankheiten sind."

Währen das IVV im Wesentlichen die Aufgabe hatte, die Invasion bestimmter Pilzarten zu bekämpfen, wurde seine Rolle in Luxemburg mit der Zeit viel wichtiger.

Serge Fischer sieht das IVV in einer beratenden Funktion im Weinbau. "Diese Beratung deckt alle Aspekte der Weinerzeugung ab: die Wahl der Rebsorte, den Weinanbau und den Schutz der Reben gegen Krankheiten. Wir verschicken regelmäßig Empfehlungen und veranstalten Seminare für Winzer." Diese Seminare umfassen sowohl administrative Vorgehensweisen als auch Strategien für ein nachhaltigeres Weingutmanagement, und das alles, damit die luxemburgischen Winzer in dem, was sie am besten können, ihr Bestes geben können: berühmte Weine hervorragender Qualität zu erzeugen.