Interview mit Tom Hillenbrand, Schriftsteller und Hobbykoch mit Leidenschaft Oder wie aus einem Praktikum eine Serie an Kriminalromanen und eine Liebe zur luxemburgischen Küche entstand

Wer kennt ihn nicht? Xavier Kieffer, der Luxemburger Koch, der immer wieder in Verbrechen in der Gastronomieszene verwickelt wird und dann von seinem kleinen Restaurant in der Luxemburger Unterstadt die Ermittlungen selbst in die Hand nimmt ... Wir haben uns mit Tom Hillenbrand, dem Autor dieser Food-Krimis, unterhalten und ihn gefragt, welches luxemburgisches Gericht und vor allem welcher lokaler Wein für ihn auf jeden Fall „eine Sünde wert“ sind. Lesen Sie selbst!

Der Autor – wir stellen kurz vor

Tom Hillenbrand wurde 1972 in Hamburg geboren. Er studierte Europapolitik und absolvierte ein Volontariat an der Georg von Holtzbrinck-Schule in Düsseldorf, die für ihre Ausbildung in Wirtschaftsjournalismus bekannt ist. Nach dem Studium arbeitete er für verschiedene Verleger und war bis 2010 Ressortleiter bei Spiegel Online.

© Dirk Guldner

Während eines Praktikums im Jahre 1997 in Luxemburg lernte er Stadt, Land und Leute kennen und lieben. Während dieser Zeit hat Tom Hillenbrand auf dem Kirchberg beim Europäischen Parlament gearbeitet, war bei einem Gipfel der Staats- und Regierungschefs mit Jean-Claude Juncker, Helmut Kohl und Jacques Chirac dabei und hat in einem Zimmer in der rue de Neudorf gelebt. Abends war er viel in Clausen unterwegs.

Bis heute kann er sich an die ungewöhnliche Topographie der Stadt erinnern und an diese Mischung aus Internationalität und lokaler Identität, die man so sonst nirgendwo findet. Seine Verbundenheit zu Land und Leuten ist geblieben und zeigt sich vor allem in seiner Krimiserie über den Luxemburger Koch Xavier Kieffer und zu Hause, privat, als Hobbykoch.

Tom Hillenbrand schreibt hauptsächlich Thriller, aber auch historische und Science-Fiction-Romane. Er lebt und arbeitet in München. 2018 wurde er zum Ritter im Orden der Eichenlaubkrone des Großherzogtums ernannt. Ist er in Luxemburg, trifft man ihn hauptsächlich in der Hauptstadt an. 

Ein ehemaliger Sternekoch wird zum Detektiv

Xavier Kieffer, ein ehemaliger Sternekoch, ist der Star in den Kriminalromanen von Tom Hillenbrand in und um das Großherzogtum.

Der Koch, der der Gourmetküche den Rücken zugekehrt hat, betreibt ein kleines Lokal in der Luxemburger Unterstadt. Anstatt von sehr anspruchsvollen Sternemenüs, serviert er hier seinen Gästen leckere, einheimische Spezialitäten. Wider Willen wird Xavier Kieffer immer wieder in die verschiedensten Verbrechen rund um den Lebensmittelmarkt, Restaurantkritiker oder die Gourmetszene verwickelt und übernimmt die Ermittlungen dann selbst.

Bis heute hat Xavier Kieffer sechs mysteriöse, außergewöhnliche und spannende Fälle gelöst. Die Bücher Teufelsfrucht, Rotes Gold, Letzte Ernte, Tödliche Oliven, Gefährliche Empfehlungen und Bittere Schokolade sind alle beim Kiepenheuer und Witsch Verlag erschienen und sowohl im Buchhandel wie online in mehreren Sprachen erhältlich.

Tom Hillenbrand arbeitet zurzeit am siebten Teil der kulinarischen Krimiserie mit dem Koch-Detektiv. Bleiben Sie also gespannt, die Veröffentlichung ist voraussichtlich für Ende 2021 geplant.

Kurz und würzig: Tom Hillenbrand über Huesenziwwi (Hasenpfeffer) und Luxemburger Wein

Während des EU-Praktikums hat Tom Hillenbrand vor allem internationales Kantinenessen genossen. Seine erste Berührung mit einem Luxemburger Gericht war damals an einem Marktstand: es gab Gromperekichelcher (Kartoffelpuffer).

Welches Luxemburger Gericht war eine Entdeckung für Sie?

Huesenziwwi, also Hasenpfeffer. Den hatte ich zuvor noch nie probiert.

Haben Sie Luxemburger Wein dazu getrunken?

Mag sein. Ich befürchte, mit 25 trinkt man fast alles, was einem vorgesetzt wird. Ich habe später alles systematisch durchprobiert und dann gemerkt, was für eine Vielfalt an Weinen es in Luxemburg gibt.

Was verbinden Sie mit Luxemburger Wein?

Viele schöne Erinnerungen an Abende im Restaurant.

Welcher ist Ihr liebster lokaler Wein und/oder Crémant?

Mir hat es vor allem der Auxerrois angetan, auch weil man den in Deutschland eigentlich gar nicht findet.

Kochen Sie manchmal "luxemburgisch"?

Würde ich gerne öfter, aber da müssten meine Kinder mitziehen. Mit Huesenziwwi brauche ich denen aber nicht zu kommen, auch Judd mat Gaardebounen (gepökelter Schweinenacken mit Saubohnen und Kartoffeln) sehen sie eher misstrauisch.

Was fällt Ihnen spontan zu Folgendem ein:

  • "Miseler Wéngchen" (kleiner Moselwein) - Am besten täglich!
  • "Frell am Riesling" (Forelle in Rieslingsoße) - Mal wieder kochen.
  • "Fierderwäissen" (Federweißer)– Zwiebelkuchen.
  • "Miseler Friture" (kleiner gebackener Moselfisch) - Das beste Fingerfood!
  • "Kippchen" (Glas Crémant) - Keine Party ohne.
  • "Drauwelies" (Traubenlese) - Hoffentlich war die Ernte gut.
  • "Fierkelsjelli" (Ferkel im Gelee) - Nicht so meins.
© Domaines Vinsmoselle / Mike Zenari
© David Marcus