Das gastronomische Programm Interview mit dem Direktor Michel Lanners und der Schülerin Anja de Scheemaeker von der luxemburgischen Hotel- und Tourismusfachschule (École d'Hôtellerie et de Tourisme du Luxembourg, EHTL), Partner des Projekts

Die luxemburgische Hotel- und Tourismusfachschule (EHTL) ist erstmalig am gastronomischen Programm des luxemburgischen Pavillons auf der Weltausstellung, die dieses Mal in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) stattfindet, beteiligt. Wir haben uns mit Michel Lanners, Direktor, und Anja de Scheemaeker, Schülerin, von der EHTL unterhalten. Aber lesen Sie selbst, was sie uns über dieses spannende Abenteuer, die "Schengen Lounge" und die Möglichkeiten und Herausforderungen vor Ort berichtet haben.

Eine erste zukunftsträchtige Zusammenarbeit

Michel Lanners, Direktor der luxemburgischen Hotel- und Tourismusfachschule, liefert uns mehr Informationen über das Engagement seiner Schule auf der Weltausstellung in Dubai.

Die EHTL ist erstmalig am luxemburgischen Pavillon im Rahmen der Weltausstellung beteiligt. Wie kam diese spannende Zusammenarbeit zustande?

Die Generalkommissarin für den luxemburgischen Pavillon auf der Expo 2020 Dubai, Maggy Nagel, hat große Entschlossenheit gezeigt, möglichst viele luxemburgische Akteure für den Betrieb des Pavillons zusammenzubringen. In diesem Sinne führte die Entwicklung der kulinarischen Dimension des Pavillons verständlicherweise dazu, dass wir als Partner ausgewählt wurden und dabei eine Reihe von Aufgaben wahrnahmen, wie beispielsweise die Beteiligung an der Konzipierung der Gastronomiebereiche, die Ausarbeitung des Speisenangebots, die Herstellung von Beziehungen zu internationalen Kontakten, um den Betrieb des Pavillons in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern (z. B. Jumeirah Group) sicherzustellen, die Bereitstellung von Humanressourcen mit dem Küchenchef und den Schülern sowie die Dokumentation unserer Arbeit durch die Veröffentlichung eines Buchs, das ab der offiziellen Eröffnung erhältlich ist.

"Eine Weltausstellung ist ein Ort, an dem ein Land seine Dynamik, seine internationale Größe und sein exzellentes Know-how zur Schau stellt. Vor diesem Hintergrund bin ich sehr stolz, dass die EHTL eine wichtige Rolle im kulinarischen Bereich des Pavillons spielt." Michel Lanners

Les élèves, le chef Kim Kevin De Dood et le directeur Michel Lanners (d.g.à.d.)
© EHTL

Wer sind die Schüler? Wie wurden sie ausgewählt?

Die Schüler besuchen alle die EHTL. Bei Abreise sind sie 18 Jahre alt und verfügen über hinreichende Englischkenntnisse. Die Bereitschaft, 9 bis 11 Wochen ins Ausland zu gehen, ist auch ein nicht zu vernachlässigender Faktor. Zudem wurden ihr Engagement für das Projekt (einschließlich desjenigen ihrer Eltern) und ihr Benehmen in der Schule beurteilt. Drei Gruppen von 8, 10 und 13 Schülern wurden demnach nach einem Bewerbungsverfahren ausgewählt, um im Pavillon zu arbeiten und ihre Kompetenzen in Sachen luxemburgische Gastronomie und Gastfreundlichkeit unter Beweis zu stellen.

Wie werden die Schüler vor Ort betreut?

Während ihrer Arbeitszeiten unterstehen die Schüler dem Küchenchef Kim Kevin De Dood und dem Direktor des Pavillons, Daniel Sahr. In ihrer Freizeit werden sie von begleitenden Lehrpersonen betreut. Sie sind in einem Hotel der Jumeirah Group untergebracht, in dem ihnen jeglicher Komfort geboten wird. Den Schülern wird nahegelegt, das kulturelle und geografische Umfeld von Dubai durch die Teilnahme an äußerst vielfältigen kulturellen Aktivitäten zu erkunden. Im Hinblick auf die schulische Ausbildung wurden alle Vorkehrungen getroffen, um die Schüler nicht zu benachteiligen und den Erhalt ihres Abschlusszeugnisses zu gewährleisten. 

"Die EHTL setzt mit ihrem Fachwissen und ihrer Qualität in Sachen Gastronomie- und Hotelgewerbe Maßstäbe und ist somit der ideale Partner für ein gastronomisches Programm. Wir geben unser Bestes, damit dieses Projekt unter den bestmöglichen Bedingungen realisiert wird und wir positive Rückmeldungen erhalten. Ich hoffe, dass sich diese Zusammenarbeit zukünftig fortsetzt und die Schule im Rahmen der Weltausstellung von Osaka im Jahr 2025 wieder ein wesentlicher Akteur sein wird!" Michel Lanners

Lokale Partner sind Emirates Academy of Hospitality Management und RAK Porcelain. Welche Vorteile bieten den Schülern diese Kooperationen? Welchen Nutzen können sie aus diesen neuen Beziehungen ziehen?

Es gibt viele Vorteile, doch es sei darauf hingewiesen, dass die Schüler vor allem von der Präsenz der Partner in Dubai, deren Kenntnis des lokalen Umfelds und der internationalen Ausrichtung profitieren können. Nach ihrem Studium und dank der Partnerschaft haben die Schüler der EHTL die Möglichkeit, ihre Ausbildung an der Akademie in Dubai zu vertiefen. Die EHTL verfügt seit einiger Zeit über ein Abkommen mit RAK Porcelain. Die Gesellschaft liefert das gesamte in der "Schengen Lounge" verwendete Porzellan, und während ihres Aufenthalts besuchen die Schüler die Produktionsstätte. 

"Der Begriff der Gastfreundschaft, den wir den Schülern vermitteln möchten, beschränkt sich nicht auf die Gastronomie und die Tischkultur. Gastfreundschaft beinhaltet auch den gegenseitigen Respekt, die Lust, aufeinander zuzugehen, die Akzeptanz der Verschiedenartigkeit der Gäste, keine Aggressivität und Feindschaft gegenüber Anderen, die Wahrnehmung der Freundlichkeit und der Hilfsbereitschaft durch Schaffung einer angenehmen Atmosphäre, das Bemühen, die Sprache der Anderen zu sprechen, usw." Michel Lanners

Eine große Entdeckungsreise

Nach einer Ausbildung zur Krankenschwester war Anja de Scheemaeker (24 Jahre) zwei Jahre lang in der Gastronomie tätig. Diese Erfahrung hat sie zur Absolvierung einer Ausbildung an der EHTL veranlasst. Seit nunmehr drei Jahren belegt sie Kurse zu den Themen Gast- und Hotelgewerbe. In ihren Augen ist das Dubaiprojekt eine einmalige Chance, und es ist ein großer Luxus, dass die Schule ihren Schülern diese Möglichkeit, einschließlich der gesamten Organisation vor Ort, bietet. Anja arbeitet die erste Hälfte ihres Aufenthalts in der Küche, anschließend im Service des Restaurants

Freude und Aufregung? Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie die gute Nachricht bekommen haben?

Es hat mich ein bisschen kalt erwischt, und gleichzeitig war ich total glücklich. Es ist das erste Mal, dass ich Europa verlasse und so weit weg von daheim bin. Alles ist anders, und das ist äußerst interessant: eine andere Kultur, ein anderes Klima und ein anderes Arbeitsumfeld.

Was sind Ihre größten Erwartungen und die größte Herausforderung?

Die Bedingungen sind sehr klar: man muss während nahezu drei Monaten bei der Stange bleiben. Egal ob Lehrer, Küchenchef oder Klassenkameraden, ich möchte niemanden enttäuschen und gebe stets mein Bestes! Für mich ist Dubai keine Schulaktivität sondern eine berufliche Erfahrung. Wir sind ein Team, und wir müssen uns gegenseitig unterstützen.

Ich liebe es zu arbeiten, also kann ich es kaum erwarten, selbst Hand anzulegen. Ich freue mich darauf, viele neue Kontakte zu knüpfen, besonders auf internationaler Ebene. Beruflich können sich auch Möglichkeiten für ein Praktikum oder einen Arbeitsplatz ergeben. Ich hoffe, dass ich einen guten Eindruck hinterlassen werde und mich die Menschen nach meinem Aufenthalt hier in positiver Erinnerung behalten werden und demnächst gerne wieder mit mir arbeiten möchten.

Was bedeutet es für Sie, Luxemburg auf internationalem Parkett zu repräsentieren?

Ich bin in Luxemburg geboren und haben meine gesamten Ausbildungen in Luxemburg absolviert, aber meine Wurzeln liegen woanders. Ich bin sehr stolz, Luxemburg zu repräsentieren, dieses kleine Land, das einen so großen und beeindruckenden Pavillon errichtet hat und hier eine Vielzahl von Besuchern und Gästen empfangen wird. Ich möchte Luxemburg präsentieren, wo es belegen ist und was wir bewirken können.

In welchem Umfang waren Sie in die Vorbereitungen eingebunden?

Wir wurden nicht in die Gestaltung des Speisenangebots einbezogen. Wir durften nun die Gerichte verkosten und konnten unser Feedback abgeben. Die Küchenchefs entscheiden, inwieweit sie unsere Anmerkungen bei der Neuinterpretation ihrer Werke berücksichtigen.

In der Vorbereitungsphase hatten wir allerdings zusätzliche Englischkurse in der Schule sowie eine Einführung in die arabische Kultur und die Sitten des Landes.

Anja de Scheemaeker
© EHTL

Kim Kevin de Dood, ein Sternekoch, ist Ihr Vorgesetzter. Wie arbeitet es sich mit einer solchen Persönlichkeit?

Ich persönlich sehe ihn nicht als Star. Er war bereits an der EHTL mein Lehrer. Mir bereitet es ebenso viel Freude, mit ihm zu arbeiten, wie mit allen anderen. Er ist mein Chef, und ich befolge seine Anweisungen. Außerdem verstehen wir uns sehr gut, also ist die Teamarbeit mit ihm angenehm.

Welche Erfahrungen können Sie Ihrer Meinung nach in Dubai machen, die Sie in Luxemburg nicht erleben können?

Das ist ganz einfach. In Luxemburg hätte ich nicht die Möglichkeit, auf einer Weltausstellung zu arbeiten. In Dubai kann ich meine beruflichen Fähigkeiten mit Experten aus der Gastronomie vertiefen. Es ist ein inspirierendes und multikulturelles Umfeld. Wir können alle Pavillons auf der Ausstellung besuchen und an anderen kulturellen Aktivitäten in der Region teilnehmen.

Was haben Sie nach Dubai als Nächstes geplant?

Ich werde mein letztes Ausbildungsjahr beenden und anschließend ein Praktikum absolvieren. Danach würde ich gerne als Saisonarbeiterin um die Welt reisen. Während meines Praktikums auf Korsika und meiner Abreise nach Dubai bin ich auf den Geschmack gekommen.

Möchten Sie mehr über das Speisenangebot erfahren?

Rufen Sie die Website der EHTL auf, um die von Sternekoch Kim Kevin De Dood und seinem Team ausgearbeiteten Rezepte zu entdecken. Das Buch, in dem der Einsatz der EHTL in Dubai dokumentiert wird und das das ausführliche Speisenangebot ("Kniddelen", neu interpretierte Forelle Müllerin und Lamm beispielsweise) der "Schengen Lounge" beinhaltet, ist ab dem 1. Oktober online erhältlich. Scannen Sie den QR-Code, und laden Sie die Publikation herunter.