Nachhaltigkeit als Credo Lesen Sie, warum und wie das europäische Kulturhauptstadtprojekt Esch2022 die Region nachhaltig beeinflussen wird.

Der Süden ist 2022 europäische Kulturhauptstadt, eine Aufgabe, die Esch-sur-Alzette und die Region dazu nutzen möchten, das Augenmerk auch auf die Nachhaltigkeit zu legen. Dass dabei Nachhaltigkeit viel weitergeht als Umweltschutz, und wie Partner des Kulturhauptstadtprojektes unterstützt werden, das erklärt uns Thierry Kruchten, verantwortlich für Tourismus, Mobilität und nachhaltige Entwicklung bei Esch2022.

Wer von Nachhaltigkeit redet, denkt oft an Dinge wie Umweltschutz und Energie, Mobilität und Abfallvermeidung, wohl aber weniger an kulturelle Events. Warum legt Esch2022 einen solchen Wert auf Nachhaltigkeit?

Bei der Aufstellung des Projektes war Nachhaltigkeit stets ein wichtiger Faktor. Dabei geht es weniger ausschließlich um die klassischen Nachhaltigkeitsthemen, wie Energie oder Umwelt, sondern eher darum, dass dieses Kulturjahr nachhaltig wirken soll, und zwar in vielen Bereichen. Zu diesen zählen wohl auch bekannte Themen wie Mobilität und Abfallvermeidung, die in den Bereich des Umweltschutzes fallen, aber auch Themen wie die Inklusion von älteren Generationen und Personen mit körperlichen oder intellektuellen Beeinträchtigungen, oder der Aufbau von kulturellen Einrichtungen, die die Region nachhaltig bereichern sollen. In diesem Sinne wurde Nachhaltigkeit von Anfang an zu einem Credo des Projektes der Kulturhauptstadt.

Das klingt alles sehr ambitioniert, wenn ein solch überregionales Projekt innerhalb eines Jahres durchgeführt werden soll.

Die Fülle an nachhaltigen Projekten, die wir aktuell betreuen oder in Planung haben, wäre auch im Rahmen des Kulturjahres gar nicht zu meistern, aber viele dieser Projekte werden über das Kalenderjahr 2022 hinausgehen und die Region nachhaltig beeinflussen.

Entdecken Sie die Region mit Mike McQuaide

Mike McQuaide, besser bekannt als der "American in Luxembourg", ein leidenschaftlicher Radfahrer, lädt Sie auf eine Tour durch den Süden Luxemburgs ein. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln und natürlich seinem Fahrrad besucht er beliebte Touristenorte in der gesamten Region und lässt Sie seine Lieblingsplätze entdecken.

In dieser Folge nimmt er sie mit in die Eisenerzminen des Südens.

Die Nachhaltigkeitscharta soll diesen Projekten einen Rahmen geben. Wie kann man sich diese vorstellen?

Die Charta selbst definiert Nachhaltigkeit auf der Basis von 6 Säulen. Die Projektpartner können sich dann zu jeder dieser Säulen informieren und auf ein bereits bestehendes Angebot an Maßnahmen zugreifen. Unser Anspruch war, eine Plattform anzubieten, auf der konkrete Lösungen und Instrumente zur Verfügung gestellt werden, die von den Partnern und Einwohnern der Region in ihren jeweiligen Rahmenbedingungen umgesetzt werden können. Wenn man so will, ging es uns weniger darum, eine Liste mit Bedingungen zu erstellen, die abgehakt werden müssen, als unsere Partner bei der Suche nach für sie gangbare Lösungen zu unterstützen.

Können Sie uns ein oder zwei konkrete Beispiele nennen?

Nachhaltigkeit ist für uns, wie gesagt, nicht nur Umwelt- und Ressourcenschutz, sondern auch Inklusion. Ein besonderes Projekt in diesem Rahmen ist das Projekt "Immersive Live", mit dem hörgeschädigte Personen in den Genuss von Konzerten kommen. Dazu wurden eigens Westen entwickelt, die Vibrationen auf den Körper übertragen – man kann die Beats also fühlen! Der luxemburgische DJ Napoleon Gold hat sogar eigens für Taubstumme ein Stück geschrieben. An dem Projekt, welches wir zusammen mit der HörgeschädigtenBeratung SmH entwickelt haben, können übrigens auch nicht-hörgeschädigte Personen teilnehmen, um einen Eindruck zu erlangen.

Ein wichtiger Punkt ist auch immer die Verpflegung. Hier haben wir beispielsweise bestimmt, dass das Angebot zu 50% aus vegetarischen Alternativen bestehen soll, und 25% der Produkte aus der Region stammen sollen. Mit Hilfe von konkreten Vorschlägen sagen wir den Betreibern nicht lediglich, welche Anforderungen sie erfüllen sollen, sondern geben ihnen auch praktische Ratschläge, Kontakte usw., damit sie diese auch umsetzen können.

Wie wird das Angebot denn angenommen?

Ganz unterschiedlich. Die Partner waren durch die Bank sehr interessiert an dieser Initiative. Einige hatten Nachhaltigkeit bis dahin nicht unbedingt auf dem Schirm – hier konnten wir wichtige Aufklärungsarbeit leisten. Viele Partner, zum Beispiel Gemeinden, sind sowieso auf diesem Gebiet aktiv. Und bei einigen haben wir uns wiederum inspiriert, da sie auf dem Gebiet sehr viel Pionierarbeit geleistet haben. Insgesamt ist das Angebot also sehr gut angenommen worden.

Einst bekannt für Eisenerzabbau, ist die Region heute beliebt bei Wanderern, Radfahrern und Einwohnern für die Artenvielfalt und Unberührtheit in vielen ehemaligen Abbaugebieten.
Emile Hengen

Die Charta - kurz erklärt

Das Nachhaltigkeitskonzept der Charta basiert auf 6 Kategorien: Tourismus, Gastronomie, lokale Wirtschaft, Abfallwirtschaft, Mobilität und Kommunikation. Der Impakt der Charta soll auf drei Ebenen wirken: ökologisch, wirtschaftlich und sozial. Die Charta gliedert sich in die Bemühungen ein, die 17 Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen zu erreichen, adaptiert auf die Eigenarten von Esch2022.

Ein solches Projekt, mit Ausstrahlung weit über die Region hinaus, ist auch eine perfekte Bühne um diese Anstrengungen auch einem breiten Publikum nahe zu bringen. Gibt es auch Projekte in diese Richtung?

Informationen zur Charta und dem Engagement der Partner wird man überall finden, beispielsweise mit so genannten Totems und dem Carg'ELO.

Die Totems sagen etwas über das Engagement der jeweiligen Events im Rahmen der Charta aus. An diesen Holztafeln werden kleine Tafeln befestigt, auf denen Besucher nachlesen können, zu welchen Säulen der Charta der Organisator sich verpflichtet hat. Dies ist für uns nicht nur eine Werbemaßnahme, sondern dient vor allem der Transparenz und trägt dazu bei, eines unserer Ziele zu erreichen: Mit Hilfe der Kulturhauptstadt Esch2022 das Thema der nachhaltigen Entwicklung sichtbarer und greifbarer zu machen.

Sicherlich ein Blickfang ist aber das Carg'ELO, ein Informationsstand der vom Studio "Am Gronn" entwickelt und dem Schreiner Charly Krau gebaut wurde. Dieser, von einem Fahrrad gezogener modulare Stand kann blitzschnell überall aufgebaut werden, und versorgt das Publikum mit Informationen zum Thema Nachhaltigkeit und – wie im Namen enthalten – über das Netzwerk ELO mit dem wir Projekte zur nachhaltigen Entwicklung auch über das Kalenderjahr 2022 hinaus betreuen.

Thierry Kruchten, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. 

Thierry Kruchten ist verantwortlich für Tourismus, Mobilität und nachhaltige Entwicklung.
Mike Zenari / Esch2022

Bürger-Initiative

Die Nachhaltigkeitscharta ist auf eine Idee von 2 Einwohnern aus Esch zurückzuführen. Die Idee wurde sofort in das Konzept für Esch2022 übernommen, mit Unterstützung des Ministeriums für Umwelt, Klima und nachhaltige Entwicklung. Aktuell arbeitet neben Thierry Kruchten noch eine weitere Person exklusiv zu diesem Thema.