Das luxemburgische Sozialmodell

Die Tripartite (Dreierrunde) oder das "luxemburgische Modell" basiert auf einem institutionalisierten und kontinuierlichen Dialog zwischen Regierung, Arbeitgebern und Gewerkschaften über wichtige wirtschaftliche und soziale Fragen mit dem Ziel, einen Konsens zu finden.

Geschichtlicher Überblick

Das besagte "luxemburgische Modell" wurde in den 1970er Jahren eingeführt, nach der schweren Stahlkrise, die die luxemburgische Gesellschaft zutiefst zu erschüttern drohte.

Das Gesetz vom 26. Juli 1975 berechtigte die Regierung dazu, Maßnahmen zu ergreifen, um Entlassungen aus Konjunkturgründen zu verhindern und Arbeitsplätze zu erhalten. Es schuf gleichzeitig auch den Konjunkturausschuss in "dreigliedriger" Zusammensetzung. Zu dessen Aufgaben gehörte unter anderem, die Entwicklung der Wirtschaftslage zu überwachen und einen monatlichen Bericht darüber für die Regierung zu erstellen.

1977 beruft die Regierung, bedingt durch die Verschlimmerung der Probleme in der Stahlindustrie, eine "Tripartite-Konferenz" oder Dreierkonferenz ein, die einen Aktionsplan für ein anhaltendes Wirtschaftswachstum und Vollbeschäftigung vorsieht.

Das Gesetz vom 24. Dezember 1977 institutionalisiert einen "dreiparteilichen Koodinierungsausschuss" (Comité de coordination tripartite), der im Fall einer Verschlechterung der wirtschaftlichen und sozialen Lage einberufen wird.

Am 19. März 1979 erlangte der dreiparteiliche Koordinierungsausschuss eine erste Vereinbarung zur Umstrukturierung und Modernisierung der Stahlindustrie.

Der Erfolg dieser ersten Erfahrung der "Tripartite" zwischen Regierung, Arbeitergebern und Arbeitnehmern, der es gelang, die Entlassung von Tausenden von Stahlarbeitern zu vermeiden, ist unbestritten. Auf der einen Seite konnte das Fundament der Luxemburger Stahlindustrie gerettet und modernisiert werden, um den Anforderungen einer modernen Stahlindustrie zu entsprechen. Auf der anderen Seite konnte die Massenarbeitslosigkeit durch die Umsetzung einer beträchtlichen Anzahl von spezifischen sozialen Maßnahmen vermieden werden.

Das Großherzogtum hat es geschafft, seine Stahlindustrie im Jahr 1978 neu zu strukturieren. Sehr gut sogar, da die ARBED im Nachhinein zum weltweit drittgrößten Stahlproduzenten wird. Nach einigen Fusionen ist die ARBED, die zu Arcelor und dann zu ArcelorMittal mit Sitz in Luxemburg wurde, inzwischen der weltweit größte Stahlproduzent. Das Großherzogtum verdankt die Grundlagen seines aktuellen wirtschaftlichen Erfolgs der Entwicklung der Stahlindustrie. Der Finanzplatz Luxemburg ist seinerseits bemerkenswert gewachsen, unterstützt durch die Entwicklung der Kommunikationstechnologien.

In der Zwischenzeit sind sektorielle "Tripartites" entstanden und die Suche nach einvernehmlichen Lösungen in Bezug auf wirtschaftliche und soziale Probleme innerhalb eines solchen Beratungsorgans ist zur Norm geworden.

Die Tripartite, die als ein in der Zeit und im Sektor (die Stahlindustrie) beschränktes Kriseninstrument konzipiert worden war, wurde zu einer Art Plattform eines ständigen institutionalisierten Dialogs.

Und heute?

Heute sorgen vier Institutionen für den ständigen Sozialdialog: der Konjunkturausschuss (Comité de conjoncture), der Wirtschafts- und Sozialrat (Conseil économique et social), der dreiparteiliche Koordinierungsausschuss (Comité de coordination tripartite) und die Stahltripartite (Conférence tripartite sidérurgie).

Konjunkturausschuss

Der Konjunkturausschuss, der 1975 gegründet wurde, besteht aus drei Ministern, sowie aus Vertretern der Berufsorganisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Dieser Ausschuss trifft sich monatlich unter dem Vorsitz des Ministers für Wirtschaft und/oder des Ministers für Arbeit und Beschäftigung. Seine Aufgabe ist es, die Lage der Unternehmen zu berücksichtigen, die auf Arbeitszeitverkürzungen zurückgreifen müssen, und gegebenenfalls Ausgleichszahlungen an Unternehmen vorzuschlagen, die Mitarbeiter in Kurzarbeit beschäftigen. Der Konjunkturausschuss kann beschließen, Maßnahmen "außerordentlicher Arbeiten im Interesse des Allgemeinwohls" zu ergreifen.

Wirtschafts- und Sozialrat

Der Wirtschafts- und Sozialrat (WSR) besteht aus Vertretern der Arbeitnehmer, der Arbeitgeber und der Regierung. Dieses soziale Beratungsgremium nimmt zu jedem Gesetz oder jeder Verordnung, in Bezug auf eine bestimmte Berufsgruppe oder die gesamte nationale Wirtschaft, Stellung.

Dreiparteilicher Koordinierungsausschuss

1977 gegründet, vereint er Vertreter der Regierung (Minister der Finanzen, Minister für Wirtschaft, Minister für Arbeit und Beschäftigung), der Arbeitgeber (Handelskammer, Handwerkskammer) und der Arbeitnehmer (Gewerkschaften). Der dreiparteiliche Koordinierungsausschuss wird vom Premierminister präsidiert. Seine Aufgabe ist es, einvernehmliche Lösungen in Bezug auf wichtige wirtschaftliche und soziale Fragen zu finden. Die Pressemitteilungen zu den Sitzungen des dreiparteilichen Koordinierungsausschusses finden Sie auf www.gouvernement.lu

Stahltripartite

Die Stahltripartite ist aus der Stahlkrise heraus entstanden, der Krise in einem Sektor, der bis Ende der 1980er Jahre Hauptpfeiler der luxemburgischen Wirtschaft war. Sie betrifft ausschließlich den Stahlsektor. Die Verhandlungen, die auf dieser Konferenz geführt wurden, haben dazu beigetragen, größere Probleme im Bereich der Kündigungen zu verhindern, um gleichzeitig ein System von progressiver und programmatischer Verringerung der Beschäftigung im Stahlbereich zu fördern, vor allem durch reguläre Pensionierungen und durch den Rückgriff auf die Frührente mit 57 Jahren.

  • Letzte Änderung dieser Seite am 27-04-2015