Die politische Krise und das Referendum von 1919

Die Krise brach unmittelbar nach dem Abzug der Deutschen aus. In der Abgeordnetenkammer forderten die linken Abgeordneten die Absetzung der Dynastie. Sie warfen der Großherzogin vor, während des Krieges Beziehungen zur Besatzungsmacht unterhalten zu haben und durch ihr Eingreifen in das politische Leben die politische Rechte begünstigt zu haben. Der Antrag wurde mit knapper Mehrheit abgelehnt.

Auf internationaler Ebene war die Luxemburger Regierung ebenfalls mit einer feindseligen Einstellung gegenüber Großherzogin Marie-Adélaïde konfrontiert. Frankreich und Belgien führten geheime Verhandlungen mit möglichen Auswirkungen auf die Unabhängigkeit Luxemburgs. Am 9. Januar 1919 kam es zu einer Revolte der Freiwilligenkompanie (der Luxemburger Armee) und ein Wohlfahrtsausschuss rief die Republik aus. Diese Bewegungen stießen jedoch nicht auf die Zustimmung des Volkes und wurden bald darauf von den französischen Truppen erstickt. Dennoch war die Stellung von Großherzogin Marie-Adélaïde endgültig beschädigt. Die Großherzogin beschloss, zugunsten ihrer jüngeren Schwester Charlotte abzudanken, die ihre Nachfolge sofort antrat (15. Januar 1919).

Um die Krise zu entschärfen, beschloss die Luxemburger Regierung ein Doppelreferendum abzuhalten. Bei der Volksbefragung ging es um die Staatsform (Monarchie oder Republik) und um die wirtschaftliche Ausrichtung des Landes nach dem Austritt aus dem Zollverein. Einerseits sollte die Stimme des Volkes Eindruck machen zu einem Zeitpunkt, da die in Versailles versammelten Siegermächte die europäische Landkarte nach Wilsons Grundsatz der Selbstbestimmung der Völker neu ordneten. Andererseits sollte das Referendum der Rechtmäßigkeit der neuen Großherzogin eine tragfähigere Grundlage verleihen. Als am 28. September 1919, und zwar erstmals mit allgemeinem Wahlrecht, abgestimmt wurde, war eine breite Mehrheit für die Beibehaltung der Monarchie (80 %) und für eine Wirtschaftsunion mit Frankreich (73%). Frankreich änderte jedoch seine Meinung und riet der Luxemburger Regierung, sich an Belgien zu wenden. Nach harten Verhandlungen wurde 1921 das Abkommen über die Belgisch-luxemburgische Wirtschaftsunion (UEBL) unterzeichnet.

(Quelle: A propos...Geschichte Luxemburgs)

  • Letzte Änderung dieser Seite am 30-07-2018