Die deutsche Besatzung während des Ersten Weltkriegs (1914-1918)

Trotz der durch den Londoner Vertrag von 1867 erlangten Garantien blieb der internationale Status Luxemburgs unsicher. Bei jeder europäischen Krise tauchte erneut die „luxemburgische Frage“ auf und verstärkte die Annexionsgelüste der Nachbarländer.

1914 wurde Luxemburg in den Ersten Weltkrieg hineingezogen. Am 2. August marschierte die deutsche Armee unter Missachtung der luxemburgischen Neutralität ins Großherzogtum ein. Der Luxemburger Staat protestierte gegen den deutschen Einmarsch, hielt jedoch an seiner strikten Neutralität gegenüber allen Krieg führenden Staaten fest. Die Besetzung beschränkte sich auf den militärischen Bereich. Die Institutionen des Luxemburger Staates blieben von der Besatzungsmacht unangetastet. Großherzogin und Regierung blieben im Amt. Nach dem Krieg machten die Alliierten Luxemburg seine Neutralitätspolitik allen Krieg führenden Staaten gegenüber zum Vorwurf.

Während der Besetzung war die Lebensmittelversorgung das Hauptproblem für die Bevölkerung. Aufgrund der Kriegssituation war es nicht möglich, die unzureichende einheimische Produktion durch den Import von Lebensmitteln auszugleichen. Die Regierung führte die Rationierung ein und legte Höchstpreise fest, um die Inflation einzudämmen. Das Ergebnis waren ein florierender Schwarzmarkt und heftige Spannungen zwischen Stadt und Land. Knappheit, Anstieg der Preise, schwindende Kaufkraft führten zu sozialen Konflikten. Der Unmut trieb die Arbeiter dazu, sich auf gewerkschaftlicher Ebene zu organisieren. Im September 1916 entstanden so die beiden ersten Stahl-Arbeitergewerkschaften, eine im „Minettebecken“, in Esch/Alzette, die andere in der Hauptstadt. 1917 brach in der Eisenindustrie ein Streik aus, der von der deutschen Armee erbarmungslos niedergeschlagen wurde.

Für das Wilhelminische Deutschland gehörte die Annexion Luxemburgs zu den Kriegszielen für den Fall eines endgültigen Sieges. Einstweilen erlegten sich die deutschen Behörden jedoch eine gewisse Zurückhaltung auf. Die harten Zeiten während der Besetzung von 1914-1918 sind demnach nicht zu vergleichen mit der von 1940-1944, als viele Luxemburger Opfer des Naziregimes wurden. Die Unterdrückung während des Zweiten Weltkriegs führte zu einem außergewöhnlichen nationalen Solidaritätsschub, der sich im aktiven Widerstand gegen die Besatzungsmacht äußerte, während Luxemburg im Ersten Weltkrieg ein von gravierenden internen Konflikten gekennzeichnetes Land war.

(Quelle: Apropos... Geschichte des Großherzogtums Luxemburg)

  • Letzte Änderung dieser Seite am 27-04-2015