Umwelt

Das IBLA mit dem Bio-Agrar-Preis 2019 ausgezeichnet

Direktorin Dr. Stéphanie Zimmer zeigt die Herausforderungen und Chancen des Ökosektors in Luxemburg auf.

photo-legutecDas Institut für biologische Landwirtschaft und Agrarkultur Luxemburg, IBLA, wurde mit dem Bio-Agrar-Preis 2019 ausgezeichnet. Dieser wird jedes Jahr an eine Person, eine Organisation oder einen Betrieb verliehen, der im Bereich der biologischen Landiwrtschaft tätig ist. Es ist das zweite Mal, dass das IBLA diesen Preis erhält. Der Sektor expandiert in Luxemburg: Luxemburger lieben Bio-Produkte und ziehen lokale Produkte vor. Aber "Bio machen" ist nicht unbedingt einfach, und der Preis ermutigt jene, die in Luxemburg eine Vorreiterrolle einnehmen,

Jedes Jahr wählt die Jury ein anderes Thema mit direktem Bezug zu biologischer Landwirtschaft oder dem Markt für biologisch produzierte Produkte in Luxemburg aus. 2019 wollten die Organisatoren allerdings einen anderen Weg gehen: der Preis sollte einen ehemaligen Gewinner belohnen, dessen Initiative sich besonders entwickelt hat. Aus dieser Retrospektive ging das IBLA als Gewinner hervor. Die perfekte Gelegenheit, mit der IBLA-Direktorin Dr. Stéphanie Zimmer über Luxemburgs "Bio" zu reden:

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Welche Ziele verfolgt das IBLA?

IBLA, das ist das Institut für biologische Landwirtschaft und Agrarkultur Luxemburg. Wir haben zwei Betätigungsfelder, einerseits eine Beratungsabteilung und andererseits betreiben wir Forschung und Entwicklung.

Wir beraten hauptsächlich Bio-Betriebe, aber auch konventionelle Betriebe die sich überlegen, eventuell auf biologische Landwirtschaft umzustellen. Falls sie sich dann in dem Sinne entscheiden, begleiten wir sie auch.

In Sachen Forschung betätigen wir uns in der biologischen Landwirtschaft, forschen aber auch zu aktuellen Themen, zum Beispiel welche Sorte Brotweizen den besten Ertrag abwirft, aber auch das beste Backresultat liefert.

Wir machen außerdem Nachhaltigkeitsbewertungen der Luxemburger Landwirtschaft, und das auf 4 Ebenen: ökonomisch, ökologisch, sozial und unternehmerisch. Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit liegt im Bereich Leguminosen, d.h. Erbsen, Bohnen und Soja. Hier haben wir im Moment mehrere Projekte im Bereich Eiweißautarkie mit dem Ziel, die Sojaimporte zu verringern durch unter anderem die Etablierung von Soja in Luxemburg.

Warum sind Leguminosen so wichtig für die biologische Landwirtschaft?

Das IBLA arbeitet bereits seit 2010 im Bereich der Leguminosen: welche passen am besten nach Luxemburg? Wie können wir diese Arten hier etablieren? Wie muss der Verarbeitungsprozess dann aufgebaut werden, damit der Bauer sie auch optimal nutzen kann?

Diese Leguminosen sind im biologischen Landbau sehr wichtig, da sie eine besondere Fähigkeit besitzen. Die Luft besteht zu 78% aus Stickstoff und die Leguminosen können mit Hilfe von Bakterien an ihren Wurzeln den Stickstoff aus der Luft fixieren: die Pflanze erhält den Stickstoff den sie benötigt und die Bakterien erhalten im Zuge dieser Symbiose Energie zum Leben.

Dank diesem Gratis-Stickstoff aus der Luft entfällt der Gebrauch von mineralischem Dünger. Außerdem verbessern Leguminosen durch ihr ausgeprägtes Wurzelsystem die Bodenfruchtbarkeit.

Leguminosen wurden allerdings lange Zeit immer weniger eingesetzt: der mineralische Dünger war billiger. Doch die steigenden Energiepreise und die Klimadiskussion – die Herstellung von mineralischem Dünger benötigt viel Energie und ist somit nicht besonders förderlich für das Klima – bedingen, dass vermehrt auf die Leguminosen gesetzt wird 

Wie steht Luxemburg im Gegensatz zu anderen Ländern oder Regionen – Stichwort Großregion?

Wir haben schon einen Schwerpunkt in dem Bereich, und in der Großregion wird insgesamt so gut wie kein Soja angebaut. Mit der Wallonie stehen wir im Austausch. Der meiste Soja wird in Deutschland, in Regionen wie Bayern oder Baden-Württemberg angebaut, wo das Klima etwas wärmer ist. Deshalb würde ich schon sagen, dass wir hier eine Vorreiterrolle einnehmen.

Die Zahl der biologischen Label ist in den letzten Jahren in Luxemburg angestiegen. Welchen Erfolg haben Produkte aus biologischer Herkunft aktuell?

Insgesamt steht Luxemburg bei den pro-Kopf Ausgaben für Produkte aus biologischer Erzeugung auf dem 4. Platz.  Bei der Produktion liegen wir allerdings relativ weit hinten in der Liste. In anderen Worten, die Nachfrage ist grösser als das was wir im Land produzieren. Die Landwirte sind in Luxemburg noch nicht immer bereit, oder die Rahmenbedingungen nicht immer so günstig, dass viele Betriebe umstellen würden.

Woher stammt diese Zurückhaltung bei den Landwirten?

Das ist schwer zu sagen. Einerseits kann man nicht einfach so "Bio machen". Der gesamte Betrieb muss umgestellt werden. Das beinhaltet, dass man auch vorausschauend wirtschaftet und sich im Vorfeld überlegt, wie man reagiert. Kurzfristige Hilfen wie Pestiziden oder mineralischer Dünger stehen dann nicht mehr zur Verfügung.

Unsere Rahmenbedingungen sind allerdings auch schwierig. Eine Zeitlang war es schwierig in der Vermarktung, und dann wird in Luxemburg auch oft auf nationale Waren gesetzt. Der Nachfrage gerecht zu werden ist bei der relativ kleinen Größe Luxemburgs bereits mit der konventionellen Landwirtschaft schwierig. Wenn man dann Bio nimmt, wo die Anbaufläche noch geringer ist, dann ist das noch schwieriger. Hier muss man schon überregional denken um eine Lösung zu finden. Ab einer gewissen Masse wird es dann einfacher.

Momentan werden knapp 5% der landwirtschaftlichen Fläche Luxemburgs biologisch bewirtschaftet. Werden diese Zahlen in den Nächsten Jahren steigen?

Ich denke schon. In den letzten Jahren sind Betriebe dazu gekommen. Man entscheidet das sicher nicht von heute auf morgen, viele Betriebe interessieren sich aber und haben Kontakt zu unseren Beratern. Wie schnell die Zahl steigt wird sich zeigen.

Wie sieht es bei den Winzern aus?

Immer mehr Winzer interessieren sich für die Methoden des biologischen Weinbaus. Den Schritt in die Umstellung wagen wenige. Bei den Winzern wird häufig auf eine Teilumstellung gesetzt. Verschiedene Flächen werden also biologisch bewirtschaftet, andere wiederum nicht. Dazu gehört, dass es sich beim Wein um ein Luxusprodukt handelt: die Mehrkosten für die biologische Herstellung schlagen sich nicht unbedingt im Kaufpreis nieder, den der Käufer zu zahlen bereit ist.

2019 erhielt das IBLA den Bio-Agrar-Preis zum zweiten Mal, als Auszeichnung für die Entwicklung seit der ersten Preisverleihung 2011. Warum diese zweite Auszeichnung?

2007 waren wir im IBLA zu zweit, mittlerweile arbeiten 12 Leute hier. Wir sind ein anerkanntes Forschungsinstitut und mittlerweile auch als Gemeinnützigkeit anerkannt. Über den Weg des Fundraising und der Spenden versuchen wir in Zukunft, einen Teil unserer Forschung zu finanzieren, damit wir unabhängig bleiben können.

Wir danken Ihnen für dieses Interview

  • Letzte Änderung dieser Seite am 30-08-2019